Volkskunde in Österreich nach 1945
sich entwickelnd, nahm die Volkskunde in demonstrativ retrospektiverReformwilligkeit eine wie immer bescheidene Rolle in den volk( s)bildnerischen Agenden der Ersten Republik ein. Auf unterschiedlicherorganisatorischer Ebene, sei es im Rahmen diverser„ Begutachtungs-und Beratungsstellen für die Volksechtheit volkskundlich- gewerblicherErzeugnisse"( Haberlandt 1936, 42)- wie sie in den zentralen volkskund-lichen Museen etwa in Wien und Graz eingerichtet wurden-, sei es inerster universitärer Verankerung- für die etwa im Falle Viktor Gerambsanno 1924 kommissionell mit den„ kulturpolitischen Forderungen derZeit“ argumentiert worden war( Eberhart 1983, 43) – hat die Volkskundeden teils privat- vereinsmäßig, teils offiziell abgesicherten Auftrag einernationalen Sinnstiftung wahrgenommen.
Daß diese, den zeitpolitischen Rahmenbedingungen des„ Restes“ vomehemaligen„, Haus Österreich“ entsprechend, vorrangig auf„ Deutsches“gezielt hatte- vom ,, Deutschen Volkslied“ bis zum„ Deutschen Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumin Österreich“( Geramb 1924)-, tat dem angesprochenen Kontinuitäts-moment keinen Abbruch: Die Versatzstücke eines zu einigen wenigenaussagekräftigen Symbolen destillierten Kulturerbes waren problemlos zuaustrifizieren als es nach 1945„ von Staatswegen die Vorkriegsauffassung,es habe weder eine eigene Volkskultur noch einen österreichischen Men-schen gegeben, zu widerlegen“ galt( Moser 1954, 209f.). Nestor Gerambetwa konnte ohne weiteres sein Handbuch„ zur Kenntnis und zur Pflegeguter Sitten und Bräuche“ ins Österreichische transferieren( Geramb1948) eine publizistische Strategie, der er auch bei der Wiederauflageseiner nur geringfügig an zeitgeistigen Sprachgebrauch angeglichenentheoretisch- gesellschaftspolitischen Abhandlungen nachkam( z. B. Geramb1913, 1919, 1946a). Und die Österreichische Volkskunde für jedermann-jenes 1952 erschienene Gemeinschaftswerk einiger„ meist jüngerer undbeamteter Fachleute“( Klier 1953, 64)- signalisiert so in ihrer den Rahmendes Vorkriegskanons nicht überschreitenden„, volkstümlichen Darstellungunserer Volkskultur“( Mais 1952, 5) ebenso die Assimilationsfähigkeit sei-nerzeit herkömmlicher volkskundlicher Themenfelder an die gewandeltepolitische Zeitströmung wie jene„ ersten wichtigeren Erscheinungen“( Schmidt 1947a, 169) der Nachkriegszeit, zu denen der sonst wenigergenügsame Schmidt etwa Georg Koteks und Raimund Zoders dreibändigesÖsterreichisches Volksliederbuch( 1948/50, in 2. Faksimileauflage 1969erschienen) oder die Märchensammlungen Gerambs( 1948, Erstauflage1941) und Romuald Prambergers( 1946) zählte.
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