Volkskunde in Österreich nach 1945
Helbok( Meixner 1990), mit der Leitung des von ihm 1923 initiierten undbis 1941 geführten Instituts für geschichtliche Siedlungs- und Heimat-forschung der Alpenländer( seit 1941 Institut für Volkskunde) beauftragtworden war( Ilg 1983; Johler 1994a, 450ff.)-, ist es ansonsten nur durchdie Vorlesungstätigkeit einzelner Fachvertreter präsent gewesen: In Grazlasen, neben dem 1939 zwangspensionierten und nach Kriegsende an dieUniversität zurückgekehrten Viktor Geramb, Leopold Kretzenbacher( 1939habilitiert) und Hanns Koren( 1946 habilitiert), und in Wien wurde dasFach anfangs nur von dem ebenfalls 1946 habilitierten Leopold Schmidtvertreten. Im übrigen konnte sich die Hoffnung auf eine Wiederbelebungdes Instituts für religiöse Volkskunde an der( damals rein theologischerAusbildung dienenden) Salzburger Universität- 1932 bis 1936 unterHanns Koren etabliert und 1938 de facto aufgelöst( Eberhart 1984, 106ff.)nicht erfüllen: Rudolf Kriss, dem die künftige Leitung zugedacht war( Schmidt 1947a, 167), wirkte zwar kurze Zeit als a. o. Prof. für religiöseVolkskunde in Salzburg, nahm jedoch bereits 1947 eine Honorarprofes-sur in München an, wohin er auch seine berühmte Sammlung religiöserVolkskunst transferiert hatte( Schmidt 1973; Alzheimer 1991, 148f.).Gleichfalls schlecht bestellt war es zu jenem Zeitschnitt 1947/48 umden außeruniversitären Wissenschaftsbetrieb. Die während der NS- Zeitgroßteils auf Betreiben von hierzulande z. T. renommierten Fachver-tretern gegründeten Institutionen wurden mit dem Ende der von diesenvia Schreibtisch- und Feldforschungsaktivitäten wissenschaftlich unter-stützten Blut& Boden- Ideologie aufgehoben: so das von Karl Haidinggeführte Institut für deutsche Volkskunde der„ Hohen Schule( in Vorbe-reitung)“ der NSDAP in Stift Rein bei Graz( Sauer 1993), die WienerForschungsstelle Mythenkunde derselben Institution unter Karl Spieẞ( Bockhorn 1987a, 234; Bockhorn 1989a, 28f.)- deren„, sehr bemerkens-werte Bibliothek“( Schmidt 1958a, 152) später in den Besitz des Vereinsfür Volkskunde in Wien überging( Schmidt 1960, 98) – oder die Lehr- undForschungsstelle für germanisch- deutsche Volkskunde der AußenstelleSüd- Ost des Ahnenerbes, das unter Richard Wolfram die Infrastrukturdes liquidierten Salzburger Instituts für religiöse Volkskunde beerbt hatte( Eberhart 1984). Auch jene wenigen vor der Zäsur 1938 etablierten unddiese überdauernden Institutionen fachlich einschlägiger Natur warenzumindest in materieller Hinsicht mehr oder weniger stark angeschlagen.Die Volksliedarchive der Bundesländer etwa, jene Sammelstellen der 1919vom Unterrichtsministerium der eben entstandenen Ersten Republik inNachfolge ihrer k. k. Vorläuferinstitution als„ Volkslied- Unternehmen“gegründeten Organisation zur Sammlung, Pflege und Propagierung heimi-
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