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Volkskunde in Österreich : Bausteine zu Geschichte, Methoden und Themenfeldern einer Ethnologia Austriaca
Entstehung
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Erste Ansätze

Gastfreundschaft, Gerichtsbarkeit und Begräbnissitten. Der Quellenwertder Schrift ist heute sicher umstritten. Wichtig ist aber, daß ihre Rezeptionin Deutschland eine verstärkte Hinwendung zum eigenen Alltag zur Folgehatte. Im ausgehenden 15. und im 16. Jahrhundert erschienen aus der Federdeutscher Humanisten eine Reihe von landeskundlichen Beschreibungenund Weltbüchern, in denen der Schilderung des alltäglichen Lebens breiterRaum eingeräumt wurde. So befaßte sich das wohl wichtigste Werk derEpoche, Johannes Bohemus' Repertorium trium Joannis[...] de omniumgentium ritibus ausschließlich mit volks- bzw. völkerkundlichen Themen,wie Sitten und Bräuchen, Beschäftigungen, Kleidung, Nahrung, Spra-che und Wohnweise der Völker der damals bekannten Welt. Wie in denspäteren Kosmographien Sebastian Francks oder Thomas Münsters giltfreilich der Hauptteil des Repertorium der Beschreibung der deutschenStämme( E. Schmidt 1904).

Die Hinwendung zum Volksleben äußerte sich aber nicht ausschließlich inWeltbüchern und regionalen landeskundlichen Beschreibungen. Daß siegewissermaßen in der Luft lag, geht auch aus anderen Quellengattungenhervor; etwa aus spätmittelalterlichen Predigtsammlungen und Traktaten,in denen immer wieder der Gegensatz zwischen kirchlicher Lehrmeinungund Formen der Volksfrömmigkeit deutlich wird. Belege dafür lassensich bereits im frühen 15. Jahrhundert auch für Österreich anführen. Sowandte sich z. B. der Wiener Minoritenpater Johann Bischof, 1395-1406Hofprediger Wilhelms von Österreich, in seiner Predigt zum 1. Jännergegen das heidnische Glossar ::: zum Glossareintrag  heidnische Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum des Bleigießens und Anklöpfelns;und der in Wien tätige Augustiner Nikolaus von Dinkelsbühel( ca.1360-1433) zählte in seinem Traktat De praeceptis decalogi in der Rede überdas erste Gebot alle Arten von Zauberei und Aberglauben auf, die gegendieses und andere Gebote verstießen( Handwörterbuch des DeutschenAberglaubens, Bd. 6, Sp. 1108).

Einen sehr frühen und besonders reichhaltigen Beleg für die Beob-achtung von Volksglaubensvorstellungen aber auch Erzählstoffen desbeginnenden 15. Jahrhunderts stellt das spätmittelalterliche LehrgedichtDie Pluemen der Tugent aus dem Jahre 1411 dar, ein nicht nur für dieältere Germanistik, sondern ebenso für die Volkskunde bedeutsamesWerk( Zingerle 1874). Der Autor Hans Vintler entstammte einer reichenund mächtigen Bozner Bürgersfamilie und verfügte als Angehöriger dergebildeten Oberschicht genau über jene distanzierende Haltung gegen-über der Volkskultur, die volkskundliche Beobachtungen in dieser Zeitermöglichte. Die Pluemen der Tugent sind im Hauptteil eine teilweise

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