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Polnische Volksmärchen
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Die törichte Jungfrau¹ Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrau¹).

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Ein Bauer hatte eine Tochter. Ein Kavalier kam um sie freien. Daging die Tochter aufs Feld und fing an zu schreien. Die Mutter ging ihrnach und fragte sie, warum sie so schreie; worauf diese entgegnete: ,, Wiesollt' ich nicht weinen; er kam um mich freien und ich besitze noch keineWiege." Da sagte zu ihr der Kavalier: ,, Ich bin erst zur Freiung gekom-men und du weinst schon um die Wiege. Ich werde in die Welt gehen;finde ich dort einen so törichten Menschen wie du bist, so kehre ich zurückund heirate dich." Und er begab sich in die Welt. Da sah er einmal, wieeine Frau eine Leiter ans Haus anlehnte, einer Kuh einen Strick umbandund mit einem Stock auf sie einschlug, damit sie die Leiter hinaufkletterte.Der Kavalier näherte sich der Frau und fragte sie, warum sie die Kuhschlage. Darauf diese: ,, Wie sollt' ich sie nicht schlagen? Es wächst solchschönes Gras auf dem Hause und sie will nicht hinaufsteigen, um es ab-zugrasen." ,, Mähe doch das Gras ab und gib es der Kuh", sprach zu ihrder Kavalier. ,, Das ist schon die zweite Dumme."

Er geht weiter. Eine Frau schlägt eine Henne. Er fragt sie: ,, Warumschlagt Ihr die Henne?" ,, Wie sollt' ich sie nicht schlagen? Diese Hunde-seele2) hat 20 Kinder und keine einzige Brustwarze." Und er sagt zu ihr:,, Koche ein Ei, zerkleinere es und gib es ihnen zu fressen." Das ist schondie dritte Dumme.

Er geht weiter. Da läuft eine Frau mit einer Schürze umher, greiftnach der Sonne und trägt sie ins Zimmer. Die Sonne aber will sich nichtfangen lassen. Und er fragt sie, warum sie die Sonne fange. ,, O, ich willsie fangen, denn sie schaut mir nie ins Fenster, scheint mir nie!" ,, Manmuß ein Fenster hineinschneiden, dann wird sie von selbst scheinen",sagt zu ihr der Kavalier. Das ist schon die vierte Dumme.

Er kehrte um und heiratete die erste Dumme³).

Das Märchen von der neugierigen Frau¹).

Es lebte einst ein reicher Mann. Er besaß eine schöne Landwirt-schaft, hatte Pferde, Ochsen, Schweine, Schafe, viel Feld und Wiesen.Wie es in einer solchen Wirtschaft gewöhnlich ist, konnte er nicht alleArbeit bewältigen; er mußte sich also ein Gesinde halten und im Sommersogar Arbeiter zur Aushilfe dingen. Die Leute arbeiteten bei ihm sehr

1) Das Märchen stammt aus Przebieczany, einem Dorf im Kreise Wieliczka, undist entnommen den ,, Mater. antrop.- archeol. i etnogr." Bd. I, Teil II S. 52.2) Schimpfwort.

*) Ein ähnliches Märchen findet sich bei Kolberg: Serya VIII S. 220, wo esebenfalls vier dumme Frauen sind: Die eine hält sich für einen Vogel, die zweitekann kein Hemd nähen, die dritte weiß nicht, wie sie Licht in ihr Haus schaffensoll, die vierte will ihrem verstorbenen Manne Wäsche in den Himmel schicken. Vgl.auch ein Märchen aus Kujawien, Kolberg: Serya III S. 172 und ein Märchen ausMazowien, erzählt von Ulanowska im,.Zbiór wiad. do antrop. kraj." Bd. VIII S. 299.

*) Das Märchen ist erzählt von Siewiński im ,, Lud", Bd. IV, S. 300 f.

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