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Polnische Volksmärchen
Entstehung
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Vom Glück¹).

Es waren einmal zwei Brüder. Der eine führte die Wirtschaft undder andere diente bei ihm als Knecht. Und derjenige, der die Wirtschaftführte, war ein großer Händler. Er handelte mit Pferden, mit Ochsenund brachte sein Leben mehr in der Welt als zu Hause zu. Und der andereBruder arbeitete ihm in der Landwirtschaft. Eines Tages sprach zu ihmder reiche Bruder: ,, Hier hast du, Bruder, die Schlüssel von allem; dukannst ins Getreide gehen, du kannst ins Geld gehen, nur in ein Zimmer²)darfst du mir nicht gehen; in diesem Zimmer habe ich einen Schrank;daß du mir ja nicht in den Schrank hineinschaust; denn ich fahre in dieWelt und kehre nicht früher wie nach einem Jahre zurück; und du wirt-schafte für mich so, als wäre es für dich selbst, denn du bist ja meinBruder."

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Und er wirtschaftete so gut er konnte. Drei Vierteljahre waren schonvergangen und er hatte in das Zimmer, das ihm verboten war, nicht hinein-geschaut. Dann aber sagte er sich: ,, Ich habe doch die Schlüssel vonallem, warum sollte ich nicht dort hineinschauen?" Als er das Zimmergeöffnet hatte, sah er darin einen Schrank stehen und er sagte zu sich:, Was mag nur in dem Schrank sein? Ich muß ihn aufmachen." Und ermachte ihn auf. Darin stand ein lebendiger, sehr alter Mann, dessen Haargrau, ganz grau war. Und der Mann sagt zu ihm: ,, Du hast schlecht darangetan, daß du hier nach mir geschaut hast, denn ich bin deines BrudersGlück. Nun wird dein Bruder in der Welt großes Unglück haben; unddu hast auch dein Glück, aber sehr weit, 300 Meilen entfernt. Denn jederMensch hat auf der Welt sein Glück, weiß aber nicht, wo es- ist."

Der jüngere Bruder schloß den Schrank zu und begab sich an seineArbeit. Sein Bruder aber, der Händler, wußte schon in der Welt, daß ihmder andere in den Schrank geschaut hatte. Alle Pferde, die er in der Stadtvorgeworfen werden soll, mit Hilfe von drei Hunden. Der Pferdeknecht, der die Königs-tochter zu der Drachenhöhle fährt, verrät und tötet ihn. Die Hunde rufen ihn mitHilfe des lebendigen Wassers zum Leben zurück und der Pferdeknecht, der sich alsder Bezwinger des Drachens ausgibt und die Königstochter zwingen will, ihn zu heiraten,wird als Betrüger erkannt. Denn der Königssohn hat dem Drachen die Zungen ausden sieben Köpfen herausgeschnitten und weist sie nun dem Könige vor. S. Kolberg:Serya XIV, S. 83 ff. In einem anderen Märchen ist der Drache der Hüter dreier Jung-frauen Glossar ::: zum Glossareintrag frauen, die er geraubt hat. Ein Königssohn tötet den dreiköpfigen Drachen und befreitdie Jungfrauen Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrauen. S. Kolberg: Serya XIV, S. 104 ff. In einem Märchen aus der Gegendvon Obornik in Posen tötet ein Jäger den siebenköpfigen Drachen, der jeden Tag einemHerrn Schweine frißt. Der Jäger verwandelt sich in eine Ameise und gelangt so in dieHöhle des Drachen. Mit Hilfe eines Bissens Brot und eines Schlucks Wein bezwingter den Drachen. S. Kolberg: Serya XIV, S. 17. In einem Märchen aus Miechów inGalizien sind es drei Drachen mit je drei Köpfen, in deren Macht eine Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrau steht,die das wunderbare Wasser behütet. Sie werden von einem Fürsten getötet, der daswunderbare Wasser sucht. S. Kolberg: Serya VIII, S. 69.

1) Das Märchen stammt aus der Gegend von Oppeln in Oberschlesien. S. Kolberg-Udzieła in ,, Materyały antrop.- archeol. i etnogr.", Bd. VIII, S. 177 ff.

2) Über das Motiv der verbotenen Tür vgl. die Anmerkungen zum Märchen ,, Dergoldene Krug".