18
-
"
Jaś: ,, Fordere, was du willst, Gold, Schätze, nur nicht die Krone!" ,, Nein,ich will nur die Krone, oder ich kehre nach Hause zurück und nehmedeinen Sohn mit." Hat dir dieser Milchbart mit der Krone schon denKopf verdreht? Ich schenke sie dir, aber sie bringt dir keinen Nutzenund kein Glück. Du wirst alles besitzen, was du dir wünschest, alles wirddir gelingen, aber das Glück wirst du nicht finden und über kurz oderlang bringst du mir die Krone zurück." Er schüttelte das Köpfchen, dieKrone fiel hinunter. Jaś küßte den Königssohn und ließ ihn frei, nahmdann die Krone und steckte sie in die Tasche. Sie war ganz klein, ungefährso groß wie ein Knopf. Auf dem Rückwege bemerkte Jaś, daß sich derWeg selbst vor ihm bahne; die Sümpfe und Wälder teilen sich vor ihm,damit er einen trockenen und sicheren Weg gehen kann. So gelangte erwieder nach Hause. Hier fand er großes Elend; die Mutter ganz abge-mattet vor Hunger, der Kater und der Hund so mager, daß sie nur Hautund Knochen waren. Jaś nahm die Krone in die Hand und sagte laut:,, Ich wünsche etwas gutes zu essen!" Sofort wurden, man weiß nichtwoher, die besten Speisen aufgetragen. Sie hatten nun zu essen, zu trinken,sich zu kleiden, eine schöne Wohnung, so wie ein Herr. Die Mutter kamzu Kräften, der Hund und der Kater erkannten erst jetzt, was es be-deutet, Jaś zu dienen.
Und alle glaubten glücklich zu sein. Nur Jaś fühlte sich nicht glück-lich. Alles war ihm zu wenig, mit nichts war er zufrieden. Er war bereitsein Jüngling und es kam ihm in den Sinn, zu heiraten. Aber mit wem?Wohl kannte er nicht nur eine Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrau im Dorfe. Er brauchte nur mitdem Finger zu bewegen, nur ein Wörtchen zu sagen und hundert Jung-frauen Glossar ::: zum Glossareintrag frauen hätte er zur Auswahl und wäre glücklich; aber das paẞte ihmnicht. Er blickte nicht einmal einer Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrau vom Hofe nach, vielmehrnahm er sich vor, sich im Königspalast eine Gemahlin zu suchen.
So erschien er denn in prächtiger Kleidung, bestehend aus Goldund Diamanten und auf einem herrlichen Pferde vor dem König. Nichteinmal der König hatte ein solches Pferd. Jaś brachte dem König reicheGeschenke und Kleinodien mit, wie sie der König in seinem ganzen Lebennoch nicht gesehen. Da der König seinen Untertan in diesem Reichtumsah, führte er ihn in seine Gemächer und zeigte ihm seine Tochter. Jaśgab auch ihr schöne Geschenke; die Königstochter nahm sie an, erkannteaber sofort, daß Jaś ein einfacher Mann sei, denn er hatte seine teurenund schönen Stiefel mit Birkenharz eingeschmiert. Der arme Jaś glaubte,daß das Birkenharz der Königstochter das größte Wohlgefallen bereitenwürde; aber was Wunder? Er war ja im Walde aufgewachsen, wußtenicht, daß die Königstochter von Jugend an nur die ausgesuchtestenSpeisen aß und darum besser duftete als ein Veilchen?!
Ungefähr nach einem Monate, als sich Jaś in dem königlichen Hofeschon mehr heimisch fühlte, bat er den König um die Hand seiner Tochter.Der König, verwundert über diesen Wunsch, antwortete: ,, Meine Tochterist schon mit dem Fürsten der Letten verlobt, ich kann mein Wort nichtmehr zurücknehmen." Als aber Jaś dringender bat, sagte zu ihm der