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Zweige( Lorbeer an der Küste- der geschmückte Neujahrs-zweig heißt in Dubrovnik kolenda Kornelkirsche, Haselstrauch, Epheu,Basilienkraut u. ä. im Binnenland) spielen eine große Rolle in den serbischenW.- Riten( s. oben S. 99 unter Grünzauber). Der Schlag mit der Lebensrute,der sich infolge christlicher Umdeutung an den Tag der unschuldigen Kindergeheftet hat, begegnet anderswo noch als Neujahrsbrauch: die mit demAufstehen säumen, werden aus den Betten gejagt, wohl deshalb, damit siedas ganze Jahr über zeitlich aufstehen. Vgl. auch§ 53( Umzüge).
Wir kommen nun zu einem der interessantesten und schwierigstenElemente des serbischen W.- Festes, zum W.- Feuer mit der damit ver-bundenen Badnjakverbrennung.
Am alten römischen Neujahrstag, dem 1. März, fand regelmäßig die Er-neuerung des heiligen Feuers der Vesta statt. Dieser Ritus verblieb zwar andiesem Tage auch nach der Verschiebung des Jahresanfangs auf den 1. Jänner,aber auch an letzteren finden wir Feuerbräuche geknüpft. So berichtet Ovid 2von Feuern und Feuersprung vor den Häusern, Libanius erwähnt die loderndenOpferfeuer des Kalendentestes. Daß am Dies Natalis Solis Invicti ebenfallsFestfeuer brannten, zu denen sich aus Neugierde viele Christen einfanden,wird uns von einem syrischen Scholiasten zu Bar Salibi ausdrücklich bezeugt 3.
Für die Verwandtschaft der südslawischen Weihnachtsfeuer, wie sieoben geschildert wurden(§ 26), mit den Kalendenfeuern spricht vor allemihr in Dalmatien üblicher Name koleda, der dort auch auf die Johannisfeuerübergegangen ist. In den südlichen Gegenden haben sich in der W.- Zeitsolche Feuer im Freien, bei denen die ganze Nacht getanzt, gesungen undgezecht wird, in ursprünglicher Form mit Feuersprung und Hammelbratenbis heute erhalten( s. auch§ 41), in den Landschaften mit rauherem Klimawurden sie mit Rücksicht auf die Jahreszeit in den Herdraum zurückgedrängt.
Daß auf diese übernommenen Kalenden- bezw. Weihnachtsfeuer vieleheimische Vorstellungen und Bräuche übertragen worden sind, ist mit Sicher-heit anzunehmen. Eine Scheidung zwischen ursprünglich einheimischen undfremden Elementen ist gerade in diesem Punkte sehr schwer, ja unmöglich,da das Feuer bei allen indogermanischen Völkern im Dienste derselben stetswiederkehrenden Motive steht: Wir wollen hier nicht darauf eingehen, welchevon beiden Theorien mehr Berechtigung hat, die Sonnentheorie Mannhardts 4,welche besagt, daß die Jahresfeuer Abbilder der Sonne sind, jener unversieg-baren Quelle von Leben, Wachstum und Gesundheit, oder die Reinigungs-theorie Westermarks, welche erklärt, daß das Feuer selbst als leuchtendes,wärmendes und reinigendes Element, das alles Unreine vernichtet und dasBöse fernhält, den Gegenstand der Verehrung bildet 5. Wir wollen hier bloßbetonen, daß dem W.- Feuer bei den Serbokroaten magisch- kultliche Bedeutungzukommt, genau so wie den Feuern zu Fastnacht, den Märzfeuern amVorabend des 1. März 7, am 9. März und am Vorabend des 25. März, zuOstern 10, am Vorabend des Georgstags 11 und des Johannestags( allgemein),am Petrov- dan 12 und am Vorabend des Ilin- dan 13. Die Motive aller dieserFeuerbräuche sind ursprünglich folgende:
Bilfinger, 86.2 Fast. 4, 727, 781 ff.- 3 Usener, W. 349.4 Baum-kultus, 521 ff. 5 Nach Frazer G. B., Feuerfeste, 258 ff. SEZb 19, 30 ff:Omolj; ib. 14, 33: Boljevac; Zs. Karagjić I 162: Osijek; ib. III 72: Svilajnac;Vuk, Rj. s. v. bukara: Syrmien.-Zs. Delo XI 317: Kuči. 8 SEZb 14, 39:Boljevac; ib. 7, 133: Levač. 9 ib. 14, 46: Boljevac. 10 ZbNZ XXI 197:Lobor; ib. XX 177 ff., wo Lit. 11 ib. XXI 198: Lobor; ib. I 140: Stupnik;ib. I 140: Kotarani in Dahn.- 12 Ilić, 166: Požega, Zara; Verfasser, Plivatal.13 Ilić, 166: Požega; ZbNŽ I 248: Kotarani.