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1 (1882) Der schweizer Holzstyl : in seinen cantonalen und constructiven Verschiedenheiten vergleichend dargestellt mit Holzbauten Deutschlands. 1(1882).
Entstehung
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EINLEITUNG.

,, Die Bauart der Bauernhäuser, wo sie noch historisch und ächt ist, gehört,, eben so gut der Kunstgeschichte, als das Volkslied der Geschichte der Musik."Land und Leute von W. H. Riehl. S. 164.

Wie im Volkslied und in den Volkstrachten, so hat auch dieschweizerische Nationalität in dem eigenthümlichen Holzbau der letz-ten Jahrhunderte einen Ausdruck von allgemein anerkanntem poeti-schem und künstlerischem Werthe gefunden.

Der Schweizer Holzstyl hat sich durch seine reiche Ausbildungin constructiver und decorativer Hinsicht, wie durch seine malerischeWirkung einen ehrenvollen Platz in der Reihe architectonischer Bil-dungen gesichert.

Bis jetzt sind vorzugsweise diejenigen Holzbauten des BernerOberlandes, welche im Blockverbande construirt sind, durch sehr schät-zenswerthe Aufnahmen veröffentlicht worden.*)

Abweichend von dieser Bauart tritt der Blockbau auch ausser-halb des Berner Oberlandes auf. Diejenige von Unterwalden undLuzern nähert sich ihm am meisten. In Uri und Schwyz scheint sichdie älteste Weise mit noch spätmittelalterlichen Formen erhalten zuhaben. Die Blockhäuser von Zürich, Zug und St. Gallen mit ihrenhohen steilen Schuppendächern zeigen schon einen entschieden anderenCharakter, welchem sich der von Appenzell anschliesst. Am meistenentfernt sich davon die Bauweise in den Cantonen Thurgau und Aar-gau und in den flachen Landen der Cantone Zürich und St. Gallen,wo der Blockbau mehr oder weniger verlassen wurde. Hier verbindetsich ein abgespreiztes und verstrebtes Ständerwerk mit eingeschobenerBohlenwand, womit gleichsam ein Uebergang zu dem deutschen Riegel-werksbau angedeutet ist. Gleichzeitig finden wir hier das mit Steinenausgemauerte Fachwerk zahlreich vertreten, wobei stets die Holzver-bindungen die sorgfältigste Ausführung selbst in den kleinsten De-tails zeigen.

Wie sich das Schweizer Blockhaus mit dem Tyroler in Parallelestellen lässt, so möchten wir obiges Ständerwerk, welches sich auchnoch in einem Theile des Berner Oberlandes findet, der Bauart desSchwarzwaldes,**) und oben erwähnte Fachwerkbauten denen einigerGegenden Deutschlands an die Seite stellen und belehrende Vergleichedaran knüpfen. Andere interessante Vergleiche bieten die Grundriss-anlagen der Bauernhäuser in Solothurn, Oberaargau und Emmenthal,wo Viehzucht mit Ackerbau verbunden ist und wie in den norddeut-schen Marschen, Menschen und Vieh unter einem weiten Dach unterge-bracht sind, dessen grossartige Räume zur Aufbewahrung von Vor-räthen dienen, so dass das ganze Haus mehr Dach als Mauer zeigt.

Die Berner Holzbauten tragen überall, wo sie als Blockhäuserauftreten, den streng ausgeprägten Typus des Blockverbandes an sich.Die möglichst durchlaufenden, liegenden Wandbalken überschneidensich an allen Kreuzungspunkten mit Abgabe ihrer halben Holzstärkeund treten aussen als sogenannte Vorstösse vor den Wänden um eineHolzstärke vor. Dabei haben die Dächer eine flache, dem fernerenSüden entsprechende Neigung, um die Schindeleindeckung mit schwerenSteinen belastet, tragen zu können. In den mitgetheilten Publikatio-nen ist diese Bauart fast allein vertreten, was zur Annahme berechti-gen könnte, dass der Schweizer Holzstyl unzertrennlich mit dem Block-

[*) Graffenried& Stürler: Architecture Suisse. Hochstätter: Schwei-zer Holzarchitectur. Varin: l'architecture pittoresque en Suisse. För-ster's: Bauzeitung u. a. m.

**) Dr. H. Geyer: Holzverbindungen Deutschlands.

ten des Schwarzwaldes.

Eisenlohr: Holzbau-

bau verbunden sei. Die Nutzanwendung desselben beschränkte sichauf die Fälle, wo der Blockbau als Constructionsprincip zu Grundegelegt wurde. In den meisten Ländern wird hingegen bei Holzbautennur der Riegelbau mit unterschiedlicher Ausfüllung der Zwischenfelderangewendet und es gewinnt diese Bauart selbst in der Schweiz durchdie Abnahme der Waldungen täglich mehr Boden. Wie sich nun dieDeutschen Lande durch ihre eigenthümliche Ausbildung des Riegel-baues ausgezeichnet haben, so sind es in anderer Weise die erwähntenöstlichen Cantone der Schweiz, welche seit Jahrhunderten entwederausschliesslich in einigen Districten nur den Riegelbau anwendeten oderdie Mischung und allmählichen Uebergänge beider Constructionsweisenzeigen.

In diesen Cantonen finden wir die Eigenthümlichkeiten desSchweizer Holzstyls ebenso entschieden repräsentirt als im BernerOberlande, was wir zunächst an einigen ausgewählten Gebäuden her-vorheben wollen, welche die unterscheidenden Merkmale am deutlichstenan sich tragen. Es soll dabei mehr Gewicht auf das rein Construc-tive als auf das Malerische gelegt werden, denn wie diese Construc-tionen nicht nur von schweizerischem, sondern von ganz allgemeinemInteresse und in ihrer Ausbildung Muster für alle Zeiten sind, so istdem praktischen Nutzen dieser Blätter durch die grössere Verbreitungdes Riegelbaues ein weiteres Feld gesichert. Wenn auch überall da,wo der Stein zur Hand liegt, das Holz wenigstens aus den Umfangs-wänden zu verdrängen ist, so möge ihm doch da, wo es unentbehrlichbleiben wird, seine Berechtigung zu stylistischer Behandlung nicht ent-zogen werden: und gerade hierzu bietet der Schweizer Holzstyl dieschönste Anleitung. Wir finden hier Alles, was die Architectur einessinnigen Landvolkes anziehend machen kann:

,, Einen Schmuck, der mit der Örtlichkeit und Umgebung har-,, monirt, der die Pflanzenwelt in vielverschlungenen Wein- und,, Obstranken zu der bescheidenen architectonischen Schöpfung,, heranzieht, Wände und Vordächer mit einem frischgrünen Teppich,, bekleidet und so Natur und Kunst innig und malerisch mit,, einander verbindet,

einen Schmuck, der ebenso wohl von dem noch frischeren poetischenSinn der letzten Jahrhunderte, wie die Sinnsprüche an den Häusernund die Beziehungen der Ornamente zu den Beschäftigungen der Be-wohner, Zeugniss giebt, als auch die kindliche Phantasie der Hand-werker spiegelt, denen die Freude an ihrer Arbeit auch mit ein Lohnfür dieselbe war und die ihr Andenken häufig durch Beifügung ihresNamens und der Jahreszahl zu verewigen hofften.

Es bietet sich uns eine Mannigfaltigkeit der formellen Ausbil-dung desselben Themas im Gegensatz zu der Entäusserung aller be-sonderen Zierden einer Construction, in deren schlichtester Einfaltund primitiver Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiver architectonischer Gestaltung oft der erhöhte Reiz fürden forschenden Künstler liegt, welcher den Werth auch unscheinbarerDetails in dem Zusammenhang mit dem Ganzen sucht,

,, eine stylistische Formenwelt, welche selbst bei den reichsten" phantastischen Schnitzwerken niemals der Natur des Materials,, oder der Construction zuwiderläuft und vorzugsweise bei Aufbie-,, tung äusserst geringer decorativer Mittel, stets eine verständigeRücksicht auf Massenwirkung zeigt.

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Alle diese Vorzüge finden wir, häufig gehoben durch eine glück-liche Stimmung natürlicher und künstlicher Farben, an den hier aus-