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sich im Münstertal nur vereinzelt und scheint in dieser Gegend auch früher nicht üblichgewesen zu sein; der vom Herd aufsteigende Rauch verbreitet sich in der Küche undwird erst dann durch den Kamin ins Freie geleitet.
Sowohl im Münstertal wie auch im Engadin und Obervintschgau schließt sich nochvielfach an den Herd, gegen das Fenster zu, eine Feuergrube( foura) an, über welcher dergroße Milch-, beziehungsweise Wasserkessel auf einem drehbaren Holz- oder Eisenarm hängt.Die Herdgeräte zeigen keine besonderen Eigentümlichkeiten. Neben dem allgemein ver-breiteten Dreifuß findet sich nur selten der zweibeinige Feuerhund, der hier keinerleiornamentale Ausschmückung erfahren hat.
Fig. 6. Eine Vorrichtung zum Herablassen der kleinen Stiege,
die sonst die Kammerluke über dem Ofen abschließt.
Mit dem Herd ist in allen drei erwähnten Tälern gewöhnlichder umfangreiche Backofen( fuorn) verbunden. Dieser ist heutewegen seiner allzu großen Dimension zum Teil ins Freie hinaus-geschoben und ragt halbkugelförmig, von einigen Balken gestützt,aus der Hausmauer hervor.( Taf. XV, Fig. 3.) Zuweilen wird er zurGänze in die neben der Küche befindliche Vorratskammer verlegt. DerBackofen, der einen wichtigen Bestandteil der Hauseinrichtung dieserGegenden bildet, fehlt nur in den wenigsten Münstertaler Häusern.Denn obwohl es in der Gemeinde Münster einen Bäcker gibt, pflegendoch die meisten Femilien ihren Bedarf an Brot selbst zu decken,indem alle drei bis vier Wochen zu Hause gebacken wird.