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Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden : ein Beitrag zur romanischen Volkskunde
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waren. Ich erwähne hier mit besonderem Dank die Herren MajorGroß, Jan Battista Groß und Padrod Groß in Cierfs sowie die HerrenLucie Perl und Pfarrer Filli in St. Maria. Auch meinen liebens-würdigen Gastwirten und allen meinen Münstertaler Freunden sei andieser Stelle für ihr verständnisvolles Verhalten meinen Forschungengegenüber herzlichst gedankt. Mit den unvergeßlichen Eindrücken,die mir die herrliche Münstertaler Landschaft geboten hat, werdenstets die angenehmen Erinnerungen an ihre freundlichen Bewohnerverbunden bleiben.

I. Die Siedlungsform.

Die häufigste Siedlungsform des Münstertales ist die eines indie Länge gezogenen Straßendorfes, das sich aus einzelnen, zer-streuten, verschieden großen Häusergruppen zusammensetzt.

Am deutlichsten ist diese Siedlungsform in Cierfs( 1661 m), der letzten Münster-taler Gemeinde talaufwärts, ausgesprägt, die im ganzen etwa 45 Häuser zählt und sichüber 2 km ausdehnt.( Taf. XIV, Fig. 1.)

Ähnliches finden wir auch in Valcava( 1410 m) und in Münster( 1248 m). Währendaber in Cierfs und in Valcava die kleinen Häusergruppen weiter voneinander entferntsind, weist Münster und insbesondere St. Maria( 1388 m), der Hauptort des Tales, einegeschlossene Siedlungsform auf.

Die Gemeinde St. Maria ist an der Kreuzung zweier Hauptstraßen entstanden, undzwar der Umbrailstraße, die dem Muranzabach folgt, und der Ofenpaßstraße; dadurch hatdiese Siedlung die Form eines fast regelmäßigen Kreuzes erhalten.( Taf. XIV, Fig. 3.)

Auf der linken Seite des mittleren Münstertales, auf sonnigen Halden, erblicktman einige Weiler, wie Valpaschun( 1772 m), Craischtas( 1833 m), Puts chai( 1688 m). Auf der gleichen Seite, im oberen Münstertale, breitet sich auf einer weitvorgeschobenen außerordentlich sonnigen und mit üppigen Bergwiesen bedeckten Terrassedie kleine Gemeinde aus, die sich durch ihre selten schöne Lage auszeichnet undin bedeutender Seehöhe liegt( 1918 m).( Taf. XIV, Fig. 2 und der Umschlag.) Trotz dergroßen Seehöhe ist das Plateau von recht fruchtbar und in geschützter sonniger Lagegedeihen hier nebst Kartoffeln und Gerste auch Roggen und Hafer.

Die Orientierung des Hauses in Bezug auf den Sonnen-stand ist in den erwähnten Gemeinden nicht einheitlich, denn dieHäuser stehen hier mit ihrer vorderen Seite nicht parallel zur Straße,sondern kehren ihr die Fassade zu. Auf diese Weise kommt dienach vorne verlegte Wohnstube häufig gegen Norden, beziehungs-weise Nordosten zu liegen. Und doch haben Gemeinden wie Valcavaund insbesondere St. Maria so wenig Sonne, daß die Rücksicht aufeine Orientierung des Hauses gegen Süden oder Südosten wohl vonBelang wäre. Die Straße als Mittelpunkt des Dorfes spielt eben imMünstertale wie im Engadin noch eine so wichtige Rolle, daß mandort, wo es nicht anders geht, lieber auf die Sonne, als auf die Straßen-aussicht verzichtet.

Mit Ausnahme von und Münster befinden sich sämtlicheGemeinden des Münstertales auf der rechten Talseite. Sie sind zu-meist nicht in der Talsohle, sondern, wie Fuldera, St. Maria, Münster,