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Kulturwissenschaftliche Beiträge zur Volkskunde von Montenegro, Albanien und Serbien : Ergebnisse einer Forschungsreise in den von den k. u. k. Truppen besetzten Gebieten ; Sommer 1916
Entstehung
Seite
159
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IV. ABSCHNITT.

Der Aufbau der Volkskultur auf der westlichen Balkan-halbinsel.

Anthropogeographische und ethnographische Grundlagen.

Die letzten Abschnitte der Darstellung haben mehr und mehr dazugeführt, die großen Gesichtspunkte des volksmäßigen und kultur-geschichtlichen Werdeganges der Daseinsformen auf der westlichen, Balkanhalbinsel zu deutlicherem und schärferem Ausdruck zu bringen.Es ergibt sich hiefür zunächst allenthalbeneine enge, von grauer

Vorzeit bis heute erhalten gebliebene Abhängigkeit von der Natur-ausstattung der einzelnen Landschaften.

In Montenegro treten Karstlandschaft und bewaldetesSchiefergebiet in deutlichen Unterschieden auseinander, wobei sichbeide als Teile größerer, durch diese Landschaftsformen umschriebenerKulturprovinzen erkennen lassen. Das gleiche gilt für Küstenlandschaftenund Gebirgsgaue in Nordalbanien, welch letztere ihrerseits mannigfacheBeziehungen zum gebirgigen Norden besitzen. Allzusamt sind dieGebirgsgebiete Rückzugsgebiete altertümlichster Daseinsformen, imBanne karger Naturausstattung schwer veränderlich und dem lebendigenVerkehr stets mehr entzogen.

Die Ebenen andererseits sind am stärksten von fremdem Volkstumund fremden Einflüssen durchsetzt worden. In Montenegro sind Beckenund Talungen des Ostens die bevorzugten Siedlungsgebiete dertürkisch- mohammedanischen Glossar ::: zum Glossareintrag  mohammedanischen Bevölkerung, in Albanien hatsich das>> Türkentum« im ganzen Küstengebiet gleichsam mosaikartigverteilt, in Mittelalbanien ist ein großer Teil der Bevölkerung gänzlichmohammedanisiert Glossar ::: zum Glossareintrag mohammedanisiert worden. Die dem Innern der Halbinsel sich öffnendeMetochie hat vollends im Verlauf der Geschichte den Tummelplatz sehrverschiedener Volkselemente abgegeben.

Doch kommen unter all dem vielfältig gleichmäßig alteUnterlagen des Volkstums wie der Daseinsformen zum Vorschein,die freilich, soweit sie sich verfolgen lassen, niemals völlig einheitlichgewesen sein dürften, einerseits in Gemäßheit örtlicher Naturbedingungen,andererseits der uralten geschichtlichen und vorgeschichtlichen Gliederungauch der bodenständigen Balkanvölker, an die wir freilich bisher nur ineinigen wenigen Punkten anknüpfen können. So darf man einigeBesonderheiten des Karstgebietes mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit alsillyrisches Besitztum ansprechen, das ebenerdige Steinhaus, dieältesten Pflugformen, die Struka, das Backgerät, die Herdsteine. Südlichund östlich davon begegnen mancherlei Dinge, die zum alten Wesen der