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Kulturwissenschaftliche Beiträge zur Volkskunde von Montenegro, Albanien und Serbien : Ergebnisse einer Forschungsreise in den von den k. u. k. Truppen besetzten Gebieten ; Sommer 1916
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Welches ist nun aber die Rolle des heute politisch tonangebendenElements, des slawischen Volkstums, in diesen Gebieten?Slawisch ist vor allem die Ausgestaltung der Wohnanlagen, Gehöfte,namentlich in Nord- und Ostmontenegro, im Sinne ihres Familienwesensdurch Anlage von Nebengebäuden als Speicher und Schatzbauten undzugleich als Wohngelasse für die jungverheirateten Paare, entsprechendder bei den Slawen erfolgten Ausgestaltung der Hauskommunion; groß istsicherlich auch ihr Anteil an der bäuerlichen Küche, nicht nur etwa inder Bereitung des Sauerkohls in Krautgruben und der Einführung mancherGemüse, sondern auch in der Bereitung der Speisen, namentlich derMehlspeisen der Festzeit, die sich hier wie anderwärts vornehmlich unterdem Einflusse der Klöster eingebürgert haben mögen.

Ferner ist auch die Grundform der Landestracht wohl in erster Liniemit ihrem Volkstum verknüpft. Das gilt besonders von der Weibertracht Glossar ::: zum Glossareintrag  Weibertrachtund der stellenweise auf ihr angebrachten Stickerei, sonst läßt der Groß-teil der Textilkünste hier wie anderwärts nach dem Zeugnis der home-rischen Gesänge sich gleichartig bis ins graue Altertum zurück verfolgen.

Am klarsten drückt sich das slawische Wesen auf gesellschaftlichemBoden in der Familienbildung, Stammesgliederung, auch in Sitte undBrauch aus, nicht ohne daß hiebei schon Züge unterlaufen würden, diees mit dem albanischen oder darüber hinaus mit gemein- indogermanischemWesen der frühesten Vorzeit verknüpfen, ohne daß wir hier Kennzeicheneines bestimmten Volkstums festhalten könnten.

Solch alter Ursprung gilt wohl auch von manchen heute an christ-liche Klöster gebundenen Kultgebräuchen. So bildet bei MonasteriumOstrog im Zetatale eine Quelle hoch oben im Karstgebirge mit der Höhlen-siedlung eines Klausners, der seine Behausung nicht verlassen darf, demWunderglauben des Volkes wohl schon seit dem Altertum eine Stätteseiner eifervollen Betätigung, und der Brauch, hier dem heiligen BasiliusWeihegaben in Gestalt von Hausgeräten, Töpfen, Kleidern, Stickereienund anderem kleineren Besitz niederzulegen, wozu von der ganzen Halb-insel die Pilger und Wallfahrer heranziehen, ist gewiß nicht erst durchdie christliche Kirche dorthin verpflanzt worden. 27)

Jedenfalls bildet das Slawentum, auf die Kultur seines Volkes undseiner Zeit reduziert, auch kulturell nur eine Art Oberschicht imLande, ganz allgemein gesprochen nur einen einzelnen Faktor seinesKulturlebens im ganzen; dieselbe Erscheinung, die bezüglich der körper-lichen Beschaffenheit der Bevölkerung schon längst als erwiesen geltenkann. In beiden Fällen verbindet nun aber eine ganze Reihe von Zügendas montenegrinische Volkstum mit dem albanischen, in welcher Weise,sollen die nächsten Abschnitte dartun.