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Kulturwissenschaftliche Beiträge zur Volkskunde von Montenegro, Albanien und Serbien : Ergebnisse einer Forschungsreise in den von den k. u. k. Truppen besetzten Gebieten ; Sommer 1916
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bitterste beklagt. Trotzdem fühlt sich jedes Haus, auch das ärmste, zurBewirtung mit irgend etwas verpflichtet und niemand mag auch beikurzem Eintritte unbeschenkt von dannen gehen, wenn er der Hausfraunicht bitterböse Kränkung widerfahren lassen will.

Sehr charakteristisch ist, daß auch in den einräumigen Häusern dergesamte nunmehr zu besprechende Küchenhausrat stets seiner Auf-stellung nach von den Wohnmöbeln streng getrennt wird; bisweilenwird durch die Aufstellung geradezu eine Art Grenze für Koch- undWohnteil hergestellt. Eine ähnliche Feststellung erwähnt Murko fürNorddalmatien bezüglich der Trennung von Hauskommunionen. Aucherhalten die einzelnen Raumteile der» Kuća« besondere Namen je nachihrer Lage zur Feuerstelle. Es entspricht dies durchaus der verschiedenenZweckbestimmung und Benennung der Winkel in der russischen Stubeund dürfte somit alte slawische Gepflogenheit darstellen.8)

Kleinere Gegenstände des Küchenhausrates werden zumeist in aus-gesparten Wandnischen aufbewahrt. Kulturgeschichtlich ist diese anallen Steinbauten des illyrisch- dalmatinischen Karstgebietes und Albaniensgebräuchliche Einrichtung insofern bemerkenswert, als sie offenbar dieunmittelbare stammhafte Unterlage für die Entwicklung der Wandmöbelin den mittelalterlichen Burgen und Steinhäusern Mitteleuropas abgegebenhat, welch letztere ja ihrer Gesamtheit nach auch auf den steinernenWohnbau des Mittelmeergebietes zurückleiten.

Außerdem wird kleineres Gerät auf den Herdbänken oder auf ein-fachen Wand brettern und mehrfächerigen Gestellen in der einenEcke zunächst dem Herde aufgehoben.

Die Bezeichnung für die Wandbretter ist hier dieselbe wie sonst auf derHalbinsel>> raf<< oder auch» raft«<; die mehrfächerigen Gestelle werden meist als>> polica<< bezeichnet. Letzteres Wort hat wie die Sache ihre Entsprechungen auchim Bereiche der nordslawischen Sprachen, die Wandbretter und Gestelle überhauptgehören jedenfalls zum charakteristischen» Balkanhausrat«<, wogegen sie im mittel-europäischen Wohngebiet und im dortigen bäuerlichen Wohnhaus heute wenigstensdiese Rolle nicht mehr spielen. Eher finden sich Entsprechungen für sie im roma-nischen Kaminhaus Westeuropas. Ob der Name» raft«<, der im Englischen wiederkehrt,mit in die Überlegung einbezogen werden darf, ob hier an eine Übertragung etwaim Bereiche der mittelalterlichen wechselseitigen Beziehungen der Bau- und Wohn-weise Osteuropas und des Abendlandes Glossar ::: zum Glossareintrag  Abendlandes gedacht werden kann, muß ich wohl Sprach-forschern zu entscheiden überlassen.

Zum wichtigsten Küchenhausrat zählen außer den bereits angeführtenKochbehelfen hölzerne Schüsseln, Näpfe, Schalen, Milcheimer,Wasserfäßchen und dergleichen. Zur Aufbewahrung von Lebens-mitteln, Mehl und anderem dienen größere Fässer oder Bottiche, diemeist aufrecht unter den Gestellen untergebracht werden. Auch darinliegt ein charakteristischer Unterschied gegenüber der mitteleuropäischenHauskultur; die Balkanhalbinsel, auf der diese Einrichtungsstücke all-gemein in gleicher Weise üblich sind, verharrt offenbar auf einer älterenStufe des Besitzes an Hausrat, die bei uns hauptsächlich nur mehr imSprachschatze und in besonderen Betrieben( Almwirtschaft) festgehalten