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Kulturwissenschaftliche Beiträge zur Volkskunde von Montenegro, Albanien und Serbien : Ergebnisse einer Forschungsreise in den von den k. u. k. Truppen besetzten Gebieten ; Sommer 1916
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Der Herdraum ist der Mittelpunkt des Familienlebens, wie schonoft und immer wieder von den Autoren hervorgehoben wird. Im Familien-kreise wie beim Empfang von Gästen setzt man sich zum Herdfeuernieder; auch die neueste Zeit hat darin keine Änderung hervorgebracht.Dazu bedient man sich, wie auf der ganzen Westhälfte der Halbinselsüdwärts der Save, abgesehen von Steinen und Holzklötzen, niedrigerdreifüßiger Herdschemel; als Sitz des Hausherrn und vornehmer Gästedienen im Karstgebiete höhere dreifüßige Stühle mit runder Lehne,das Waldgebiet kennt außerdem viereckige gezimmerte Stühle. Davon nochspäter. Die Speisen stellt man heute ziemlich allgemein auf einen rundenniedrigen Tisch, der außer Gebrauch an der Wand hängend auf-bewahrt wird.

Die Sitte ist aber, wie schon Rovinsky nachgewiesen hat, ursprünglichlandfremd und dem türkischen Kulturbereich entlehnt; ursprünglich hat man nurauf einer ausgebreiteten Decke, der» struka«<, gegessen, Petter erwähnt dieselbeGepflogenheit aus der Krivoščie in Süddalmatien, Murko hat sie auch in der süd-lichen Herzegowina angetroffen, sie war vielfach auch in Serbien üblich, und schließ-lich hat denselben Brauch Nopcsa in Nordalbanien in einer dort gebräuchlichenRedensart nachgewiesen. Gewiß mit Recht bezieht Nopcsa hieher auch die Sittedaẞ in Südalbanien beim Essen vielfach ein besonderer Teppich gebreitet wird, undderselbe Brauch schimmert bei den Bulgaren durch, wo unter dem runden Eẞtischgleichfalls noch ein wollener Teppich zu liegen kommt. In diesen Fällen handeltes sich offenbar um Überschichtung des bodenständigen Brauches mit Errungen-schaften aus einem anderen Kulturbereich und wohl auch seit alters einer anderengesellschaftlichen Stufe angehörig. Nur von den homerischen Helden und Fürstenwird das Darreichen der Speisen auf eigenen Tischchen geschildert. Die Türkenhaben hier offenbar alte herrenmäßige Gewohnheit aus uralter Mittelmeerkulturübernommen und mit ihrer eigenen Verbauerung auch in die primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  primitive Bauernweltder Halbinsel verpflanzt. Dieselbe Lagerung des Tisches auf einem Teppich ist auchvon Vorderasien( Syrien, Arabien) bezeugt. 6)

Das zu einer Art Sterz verkochte Fladenbrot oder auch Maisbreiübergossen mit Rahm bildet mit etwas Käse und Eiern das häufigsteAlltagsgericht; vergleicht man die einschlägigen Mitteilungen Jirečeksfür Bulgarien, so erscheint dies als die verbreitetste volkstümliche Kostauf der Halbinsel. Im übrigen würde eine dringende vergleichende Unter-suchung der Speisen und ihrer Bereitung, die nach der verschiedentlichenBehandlung dieses Stoffes in der serbischen Literatur sich unschwerdurchführen lassen würde, mancherlei kulturgeschichtlich bemerkenswerteTatsache zutage fördern. Sicher ist der slawische Einschlag hier imbesonderen in den Mehlspeisen und der Gemüsekost sehr stark, wogegensich der türkische mehr auf die Fleischspeisen und die Kost der Reichenerstreckt. Zur slawischen Küche gehört wohl auch der Sauerkohl, der inKrautgruben oder auch in Fässern bereitet wird.')

Das Zeremoniell der Bewirtung wird stets ziemlich formvollund mit einer gewissen Würde eingehalten. Merkwürdig wenig Wesenswurde aus dem Fehlen des zum zeremoniellen Umtrunke verwendetenRaki gemacht, dagegen wurde das Fehlen von schwarzem Kaffee demstets gastfreundlich aufgenommenen Fremden gegenüber überall auf das