Freitag, 17. VII. 1914.½ 7 h war es schon als ich aus den Federn kroch. Der Regen hatte die ganze Nacht gedauert und auch jetzt noch nicht aufgehört. Deshalb konnten wir nicht in die Messe gehen. DieZeit bis zum Gabelfrühstück verbrachten wir wieder mit Rechnen[?] und Tagebuch schreiben. Heute war der Tag, an dem wir uns vorgenommen hatten, Französisch zu reden.Daher lasen wir auch nach dem Gabelfrühstück aus unserem französischen Lesebuch vor und handarbeiteten dabei. Nach dem Mittagessen gingen wir mit Hans zum Glasenbach.Unter strömenden Regen kamen wir zu Hause an. Ein heißer Tee erquickte uns und durchwärmte unsere Glieder.Nach der Jause spielte[?] ich wieder Schneiderin/schneidern[?] bei der Hausfrau. Die kurze Zeit vor dem Nachtmahl und nach demselben bis zum Schlafengehen lasen wir die„Emigrantin“[?] einBuch von der Hausfrau.Wir waren heute Abend allein, weil Onkel und Tante ins Lochhäusl gegangen sind. Das Wetter verspricht auch für morgen nichts Gutes.Samstag, 18. VII. 1914.Um ½ 6 h stand ich auf. Grete und ich gingen zur Kirche. Die Bächlein, die wir zu überschreiten hatten, waren hoch angeschwollen vom Regen. Vor dem roten Marterl war ein großer See denwir durchwaten mußten. Weil die Heilige Messe erst um 7 h war, so kehrten wir wieder auf großem Umweg heim. Der Vormittag verlief wie gewöhnlich mit Rechnen, Tagebuch schreiben und Vorlesen.Nach dem Essen handarbeiteten wir ein wenig und sangen einige Liedchen dazu. Die Zeit vor der Jause benützten wir zu einem kleinen Spaziergang nach Hellbrunn. Es hatte zu regnen aufgehört.Hier sahen wir uns das Steinerne Theater an ebenso die Watzmann Aussicht. Der Watzmann zeigte sich zwar nicht; denn ein dichter Wolkenschleierverhinderte jede Fernsicht. Das Dorf Anifmit seinem Schloß lag anmutig zu unseren Füßen ausgebreitet. Mit hungrigem Magen kamen wir zuhause an. Es war ¾ 5 h. Die Jause schmeckte mir vorzüglich. Dann machten wir uns über die FranzösischVokabeln. Wenn wir weiter so fleißig Französisch betreiben kommen wir als perfekte Franzosen heim nach Wien.[1] Nach dem Abendessen zeichneten wir die Erlebnissedes heutigen Tages auf. Ichbin schon recht müde und schläfrig. Morgen heißt es zeitig aufstehen. Gute Nacht!Jetzt gerade leuchtet der Scheinwerfer ober der Hohensalzburg.
Objekt
Reisetagebuch von Maria Kitzler, 1914 : Die Ferien - 1914 - in Salzburg
(Originaltitel)
Entstehung
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verfügbare Breiten
transkribiert von Gutweniger, Greta