Donnerstag, 16. VII.1914.Obwohl ich schon um 5 h geweckt wurde dehnte und streckte ich meine Glieder noch bis um ½ 6 im Bett. Dann aber war ich mit einem Sprung heraußen.Der Himmel war grau und es regnete fein. Wir 2 Mädchen wanderten wieder zu der Kirche. Auf dem Heimweg wurden wir tüchtig getuscht vom Regen. Nach Hause zurück gekehrtmusste ich erst mein Zimmer aufräumen. Dann machten wir uns über die Rechnungen. Die übrige Zeit bis zum Mittagessen verbrachten wir mit Tagebuch schreiben.Der Regen fiel noch immer in Strömen.Grete und ich setzten uns nach dem Mittagtisch in mein Zimmer um zu handarbeiten. Wir lasen auch abwechselnd vor. Das dauerte so bis zur Jause. Dann setzten wir unsereArbeit wieder fort bis Tante herein kam. Sie wollte nämlich die Löcher an der Wand durch eine Jagd Trophäe verstecken. Je nun als sieTisch gesetzt hatte gab es einen großen Krach; denn ein Fuß meines ohnehin schon wackeligen Tischs war gebrochen. Alles purzelte durcheinander:Tante, Tinten Fass, Feder Schachtel, Heft, Strick Nadeln, Bücher, Tisch Tuch kurz alles was beweglich und unbeweglich war. Auch der Tisch lag als In(w)valid zu unserenFüßen.„Du hast aber Glück gehabt“, meinte Grete zur Tante,„das keine Tint(e) verschütt(et) ist.[“] Sie hatte aber zu früh gejubelt. Fast der ganze Inhalt des Gläschenhatte sich auf den Fusssboden ergossen. Zum Glück war nicht mehr viel drinnen gewesen. Aber die Lachsalve die jetzt folgte war das allerbeste an der ganzen Geschichte. DieJagd Trophäe hing an der Wand und die Tinte floss am Boden. Tante Grete und ich lagen am Boden und lachten aus Leibeskräften. Manchmal musste ichauf den Balkon gehen um mich etwas zu erholen.Nun ging‘s an das Reinigen. Mit Asche, Zitronensaft und Wasser wurde dergescheuert. Mittels Küchen und Federmesser versuchten wir die Tinten Flecke auf demBoden auszuradieren. Man sah fast nichts mehr davon. Der Tischfuß wurde mit Sindetikon angeklebt, mit Schnüren fest verbunden und stehtjetzt fester als zuvor. Als sich der Sturm etwas gelegt hatte kam die Hausfrau. Gott Lob nicht in mein Zimmer. Wir gingen dann mit ihr hinunterund halfen ihr Polsterüberzüge nähen. Ich saß an der Maschine und schwitzte weidlich. Fast ärger wie Holzhacken war es.Vor dem Nachtmahl lasen wir ein klein bisschen. Danach setzten wir unsere Lektüre noch ein Weilchen fort und legten uns schon um ¾ 9 h zu Bettweil wir recht schläfrig waren. Heute war für mich noch eine freudige Überraschung. Der Briefträger brachte mir einen von meinem lieben Vater einen langen langen Brief.
Objekt
Reisetagebuch von Maria Kitzler, 1914 : Die Ferien - 1914 - in Salzburg
(Originaltitel)
Entstehung
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verfügbare Breiten
transkribiert von Gutweniger, Greta