Die 15-jährige Florrie O’Connor steht mit ihrer irischen Harfe im Atelier Thomas Atkinson, Harold’s Cross in Dublin. Es ist das Jahr 1907. Die Identität der jungen Musikerin, auf deren Kleidung mehrere Medaillen zu sehen sind, konnte erst kürzlich durch Recherchen geklärt werden. Den Schlüssel dazu lieferte eine Publikation des Wiener Arztes und Ethnologen Rudolf Trebitsch (1876–1918).
Als Trebitsch im selben Jahr im Auftrag der Phonogrammarchiv-Kommission nach Irland und Wales reist, nimmt er nicht nur Sprache und Gesang auf, sondern auch einzelne Musikinstrumente. In seinem 1908 publizierten Bericht beschreibt er Florrie O’Connor als „15jährige Virtuosin aus Dublin“, die bereits viele Preise für ihr Harfenspiel erhalten hatte. Die irische Harfe, so Trebitsch, wurde damals nur noch „von ganz wenigen Personen in Irland gespielt“. (Trebitsch 1908)
Eine dieser Tonaufnahmen hält fest, was die Fotografie nur erahnen lässt: Unter der Nummer PI. 697 im Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ist Florrie O’Connors Spiel der alten irischen Melodie „The Dawning of the Day“ erhalten geblieben. Mehr als ein Jahrhundert später ist damit nicht nur ihr Porträt überliefert, sondern auch ihr Spiel.
In der Fotosammlung des Volkskundemuseum Wien ist die Fotografie heute als Carte de Cabinet (pos/49960) und als Diapositiv (dia/483) für wissenschaftliche Vorträge Rudolf Trebitschs erhalten. Eine frühere Negativreproduktion (neg/13585) ist dokumentiert, jedoch nicht mehr vorhanden. Damit erzählt das Objekt nicht nur von einer frühen Tonaufnahme, sondern auch von der Weiterverwendung fotografischer Bilder in wissenschaftlicher Sammlungs- und Vortragspraxis.
Astrid Hammer
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