Aufsatz 
„Without my iPhone I would be screwed“ : Cosmobile Escorts in der globalisierten Sexindustrie : lebensstilistische Experimente männlicher Sexarbeiter im Zeitalter von Mobiltelefonie und internetbasierter Kommunikation
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248Peter F. N. Hörzan mehreren Orten mitsamt der Daten bevorstehender Aufenthalteangezeigt wird. Dies bedingt, dass potenzielle Dienstleistungsneh-mer auf die bevorstehende leibhaftige Präsenz eines Escorts an einemOrt aufmerksam gemacht werden. Wer heute als Escort am StandortWien angezeigt wird, sitzt offline möglicherweise an einem Endgerätin Spanien und stellt dort Pläne auf, wer in der kommenden Wochein Wien in welchem Zeitfenster getroffen werden wird und kannbei entsprechend günstiger Nachfrageentwicklung über die Erhö-hung des eigenen Stundensatzes nachdenken.41Hat der Aufenthalt dort, wo die Sexarbeit erbracht wird,erst einmal begonnen, so ist der jeweilige Akteur auf allen Kanälennahezu ununterbrochen online. Schließlich könnte sich die Not-wendigkeit ergeben, den Arbeitsplan spontan zu ändern. Zudemsei es von Vorteil, wenn man sich, so E. und K., einige potenzielleKunden in Reserve halte, um bei geplatzten Verabredungen nichtungewollt untätig sein zu müssen.42Ungeplante Untätigkeit soll ver-mieden werden, geht es den Akteuren doch darum, im Anderswodas verdichtet zu erleben, was am Ort des legalen Aufenthalts nichtso erlebt werden kann: Partys, Strände, Konzerte, Museen, Archi-tektur, Flirts und gleichgeschlechtliche Techtelmechtel. All dies giltes, mit der Sexarbeit zeitlich abzustimmen. Deshalb ist das Smart-phone auch dann stets empfangsbereit, wenn solche der freizeitlichenSphäre zuzuordnenden Aktivitäten vollzogen werden. Unvergesslichfür mich in diesem Zusammenhang: Während A. und ich 2013 aneinem erfahrungsgemäß von geringer Nachfrage gekennzeichne-ten Vormittag gerade noch andächtig vor einem Gemälde von ErnstLudwig Kirchner im Berliner Brücke-Museum stehen, dass A. nurflüsternd zu mir spricht, meldet sich der Messenger einer Plattform,auf der A. präsent ist, auf dem iPhone: Die Andacht ist in Sekunden-bruchteilen dahin. A. verlässt das Museum mit einem Taxi undzehn Minuten später stehe ich allein im Museum und trachte danach,die verlorene Andacht wiederzufinden. Später werde ich hören:41Tatsächlich wird die pro Stunde, Tag oder Nacht erwartete Summe inAbhängigkeit von der Marktlage immer wieder angepasst. Feldnotizen zuGesprächen mit: A.(2012, 2015), B.(2012), E.(2016), F.(2012), K.(2017).42Feldnotizen zu Gesprächen mit: A.(2012, 2013), D.(2012), E.(2016), H.(2013, 2014).