„Without my iPhone I would be screwed“:2352012 ist A. in Berlin, für 100 Euro in der Stunde bzw. 500 Euro proNacht zu haben – nicht für alles, aber doch für Begleitungen zu sozia-len Anlässen und Kulturveranstaltungen und für eine Reihe sexuellerPraktiken, und wenn es ernst wird: stets safe.3Zwei Wochen lang habe sich A. in Berlin aufgehalten. Zuvorsei er jeweils zwei bis drei Wochen in Paris, in der schweizerischenRomandie, in Zürich, Wien und Prag gewesen. Schließlich werdeA. nach der unmittelbar bevorstehenden Abreise nach Amsterdamund einem eineinhalbwöchigen Aufenthalt dortselbst an den Aus-gangspunkt seiner Europatour, Paris, zurückkehren, dort ein Flug-zeug besteigen und an den Ort reisen, der im legalen Sinn Ort seinesständigen legalen Aufenthalts sei: eine Großstadt in Mexiko. Aberwas ist schon ein ständiger Aufenthaltsort im Sinne amtlicher Papiereim Fall einer Person, die sich schon das zweite Jahr in Folge rundsechs Monate in verschiedenen Städten in Europa, in den USA undKanada aufhält und diesen multilokalen Lebensstil über sechs Jahrehinweg beibehalten wird? Und was ist überhaupt Verortung im Falleines spätmodernen Subjekts, dessen ‚Identität‘ als„dezentriert“4oder„fraktal“5zu bezeichnen ist? Schließlich ist A., wie ich es in Ansätzenschon bei unserer ersten Begegnung im Sommer 2012 und im Laufeder folgenden Jahre immer besser verstanden habe, zugleich geogra-fisch, sozial und kulturell verortet als Sohn bildungsnaher, der Mittel -klasse zuzuordnender Eltern, als zielstrebiger und bildungsbeflissenerStudent an mexikanischen Bildungseinrichtungen, als gleichge-schlechtlich orientierter Mann, der sich unter den in Mexiko gegebe-nen Umständen eher diskret in der ‚Szene‘ bewegt, in den Clubs undBars von Paris, Wien oder Amsterdam indessen selbstsicher und ext-rovertiert auftritt, als kompetenter Besucher europäischer Museen,3Internetprofil von A., Sommer 2012.4Stuart Hall: Die Frage der kulturellen Identität. In: Ders.: Rassismus undkulturelle Identität. Ausgewählte Schriften 2. Hamburg 1994, S. 180–222,hier S. 180, 218 f.5Gemeint im Sinne des Kulturgeografen Cresswell, wonach ein Subjektin verschiedenen geografisch, sozial und kulturell definierten Kontexten(„landscapes of practice“) unterschiedliche Lebensentwürfe realisiert, dieseine Selbstwahrnehmung gleichermaßen herausfordern und erweitern.Tim Cresswell: Landscape and the obliteration of practice. In: KayAnderson, Mona Domosh, Steve Pile, Nigel Thrift(Hg.): Handbook ofCultural Geography. London 2003, S. 269–281.
Aufsatz
„Without my iPhone I would be screwed“ : Cosmobile Escorts in der globalisierten Sexindustrie : lebensstilistische Experimente
männlicher Sexarbeiter im Zeitalter von Mobiltelefonie und internetbasierter Kommunikation
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