Aufsatz 
„Without my iPhone I would be screwed“ : Cosmobile Escorts in der globalisierten Sexindustrie : lebensstilistische Experimente männlicher Sexarbeiter im Zeitalter von Mobiltelefonie und internetbasierter Kommunikation
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234Peter F. N. Hörzdam nach Paris. Die Sache zieht sich in die Länge, was mir Zeit gibt,das tadellos aufgeräumte Apartment einem zweiten und dritten Blickzu unterziehen. Sehen kann ich unter anderem: Einen Reisekoffer derMarke Rimowa, eine Reisetasche aus dem Haus Louis Vuitton undam Ende der Küchenzeile einen Einkaufsbeutel aus der Lebensmit-telabteilung des KaDeWe. Auf der Konsole am Kopfende des Bettssteht eine ausgetrunkene Flasche Veuve Clicquot Brut, die einer ein-zelnen Zantedeschia als Vase dient. Und wenn mein Blick auf dasBett fällt, auf dem A. mit der Website der französischen Staatsbahnkämpft, so gibt der Bund seiner ultraleichten Jogginghose den Blickauf den Bund einer Unterhose der US-Marke 2XIST frei. Man sieht:Hier hat sich jemand eingerichtet nicht auf Dauer, aber für längerals eine Nacht. Man sieht weiter: Dieser Jemand hat Zugang zur glo-balisierten Konsumkultur derupper middle class. Nicht zuletzt siehtman: Dieser Jemand legt Wert auf Markenunterwäsche, die männ-liche Reize akzentuiert. Was man nicht sieht, was ich aber in den vor-angegangenen vier Stunden gehört habe: A. sei 21 Jahre alt, habe einehöhere Schulbildung genossen, eine Verwaltungsfachschule absol-viert und werde im Herbst 2012 ein Studium der Psychologie auf-nehmen. Was man ebenfalls nicht sieht, was ich aber schon wusste,als ich A. über den Instant Messenger seines Profils auf einer Websiteeinige Stunden vor unserer leibhaften Begegnung kontaktiert hatte:A. identifiziert sich als schwuler Mann und bietet vergütete soziale,emotionale und explizit sexuelle Dienstleistungen für Männer an,die männliche Gesellschaft suchen und: Sex mit Männern haben.2It is true that difference has been conceived of as temporal distance ingreat parts of anthropology, and we must be highly critical of this kindof distancing. But once we have acknowledged this, we may also readthe ethnographic present as an implication of the shared time. Usingthe ethnographic present is to speak from the center of another time-space, which existed only at that fleeting instant when the ethnographerimpressed herself upon the world of the others and changed it. KirstenHastrup: The Ethnographic Present: A reinvention. In: Cultural Anthro-pology 5(1), 1990, S. 45–61, hier S. 51.2Der Begriff zielt darauf ab, Cismänner zu erfassen, die ungeachtet ihressexuellen Selbstverständnisses Sexualkontakte mit anderen Cismännernhaben. Siehe z. B. Rebecca M. Young, Ilan P. Meyer: The Trouble With‚MSM and ‚WSW: Erasure of the Sexual-Minority Person in PublicHealth Discourse. In: American Journal of Public Health 95(7), 2005,S. 1144–1149.