Auf der Suche nach einer anderen Präsenz135In der Mittelstufe werde die Handynutzung noch mehr zumThema. Auch ihre eigene Tochter werde in der 6. Klasse(im kommendenJahr) vermutlich ein Handy bekommen. Sie wolle jetzt schon eines. IhreKinder dürfen an die Smartphones der Eltern. Das basiert auf Vertrau-ensbeziehungen und darauf, dass Geesa glaubt, es der älteren Tochteransehen zu können, wenn sie sie anlüge.„Bei uns dürfen sie halt eh viel zuviel“ – drückt typische Ambivalenzen in der Regulierung der Mediennut-zung der Kinder aus. Während Geesa als Lehrkraft also zumindest in denunteren Klassenstufen ganz gegen Smart Devices argumentiert, obwohlsie ihr eigenes Handy als wichtiges Arbeitswerkzeug beschreibt, über-setzt sich ihre eigene breite Nutzung des Smartphones zu Hause eherso, dass ihre Kinder ebenfalls viel Smartphone und Tablets nutzen – undsich damit freiheitlich in Selbstregulierung üben.Das Gespräch verdeutlicht, dass auch ausgeprägte Medienkritik kei-neswegs total ist. Ambivalenzen werden nicht nur(wie üblich) zwi-schen Selbstanalyse und Ideal-Ich ausgemacht(man nutzt das Devicemehr, als man eigentlich wolle), sondern sie betreffen auch die Medi-enbegleitung von Kindern. Noch im Gespräch wird die Medienkritikauch umgewertet: Entlang des Arguments der Bedeutung erlernterEigenständigkeit wird das„zu viel“ der Mediennutzung der„vollenKontrolle“ von Erziehungspersonen gegenübergestellt und somitaufgewertet.Helene Norden(42), Lehrerin, Mutter einer TochterHelene arbeitet an einer Stadtteilschule mit den Jahrgängen 5 bis 10, sieist verheiratet und Mutter einer vierjährigen Tochter. Helena schränkt ihreneigenen Smartphone-Konsum immer wieder ein, sodass sie beispiels-weise während 20-minütiger Pendelfahrten aus Prinzip kein Handy nutzt,aber auch kein anderes Device: keine Zeitung, kein Buch, keine Musik.„Ichbin da auch immer sehr kontrolliert“, sagt Helene immer wieder, sich vonanderen abgrenzend.„On and off“ nutze sie Instagram, das sei eine„Hass-liebe“, eine„Droge“. Sie verwendet diese Worte, weil sie die Handynutzungmit etwas potenziell Giftigem, aber auch mit Beziehungen parallelisiert.Sie beschreibt sich als Kritikerin des Smartphones. Sehe sie das Gerät vorsich, löse das in ihr schlechte Gefühle aus, die sie mit Stress verbinde.In der Schule, an der sie Lehrerin ist, gebe es die Regel:„DieHandys sind nicht sichtbar im Unterricht und auch nicht in den Pausen,
Aufsatz
Auf der Suche nach einer anderen Präsenz : zur Einschränkung der Smartphone-Nutzung in Schule, Erziehung und eigenem Alltag
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