130Christine Hämmerlingzumal den Interviewpartner:innen hier nicht der Fernseher entzo-gen wurde. Vielmehr war es Teil des lebensstilistischen Selbstver-ständnisses der Befragten, auf das Fernsehen zu verzichten: Mal eineWeile nicht fernzusehen wurde von ihnen als befreiend beschrieben.Grundsätzlich lassen sich verschiedene Formen der Medien-kritik ausmachen. Während oftmals die transportierten Inhalte Hin-weis waren, dass ein – meist neues – Medium als solches Gefahren insich trage, waren es anderorts Medienpraktiken wie das Rumlungernmit Heftromanen als„Requisiten“43eigener symbolischer Räume44oder Medien(ko-)produktionsweisen,45die als gesellschaftlich prob-lematisch gedeutet wurden. Die„cultural wars“, die darüber ausgetra-gen wurden, waren allerdings Stellvertreterkriege für gesellschaftlicheKämpfe. David J. Jackson beschreibt das Populäre als einen Rahmen,in dem„cultural wars“ geführt werden,„because they are linked withthe ongoing conflict[…] over the basic values that define the politi -cal community – a debate that has become known as the ‚culturalwars‘ debate“46. Derlei„Gefahrendiskurs[e]“47, also Diskurse, die dar-auf basieren, dass von einem Medium eine gesellschaftliche Gefahrausgehe, mutieren, wo es um Verzichtspraktiken geht, hingegen zuinternen Kriegen, zu kulturellen Kämpfen gegen sich selbst. Wo esum die Einschränkung des Smartphones geht, ist das Subjekt in der43Vgl. Maase(wie Anm. 38), S. 53.44Ebd., S. 50.45Vgl. zu Weblogs und Selfies Klaus Schönberger: Kritik der Medienkritik.Wer darf sprechen im ästhetischen und kulturellen Kapitalismus? EinZwischenruf. In: Matthias Wieser, Elena Pilipets(Hg.): Medienkulturals kritische Gesellschaftsanalyse. Festschrift für Rainer Winter(= Alltag,Medien und Kultur, 18). Köln 2021, S. 458–474; vgl. zu Debatten umHandyvideos als symbolische Politik Ute Holfelder: Debatten um neueMedien als Symbolische Politik? Handyfilme und ihre diskursive Ver-handlung. In: Johanna Rolshoven, Ingo Schneider(Hg.): Dimensionendes Politischen. Ansprüche und Herausforderungen der EmpirischenKulturwissenschaft. Referate der 28. Österreichischen Volkskundetagungvom 25. bis 28. Mai 2016 in Graz. Im Auftrag des Fachverbands desVereins für Volkskunde in Wien. Berlin 2018, S. 198–209, hier S. 200.46Vgl. David J. Jackson: Entertainment and Politics. The Influence ofPop Culture on Young Adult Political Socialization(= Politics, Media& Popular Culture, 6). New York[u. a.] 2002, S. 1 f.; Hämmerling(wie Anm. 7), S. 14.47Vgl. Holfelder(wie Anm. 45), S. 202.
Aufsatz
Auf der Suche nach einer anderen Präsenz : zur Einschränkung der Smartphone-Nutzung in Schule, Erziehung und eigenem Alltag
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