STICKEREI- MUSTER
DES SLAVISCHEN VOLKES IN MÄHREN.
NACH DEN ORIGINALIEN,
WELCHE SICH IM PATRIOTISCHEN MUSEUM IN OLMÜTZ BEFINDEN,
AUF STEIN GEZEICHNET UND HERAUSGEGEBEN
VON
BERTHA SOJKA.
Jede Nation ist glücklich, wenn sie ihr Selbstbewustsein und ihre Stärke aus vergangenen glorreichenZeiten schöpfen kann. Es ist auch würdig und Pflicht dieser Nation, alles, was gutes und schönes aus diesenZeiten verblieb, weiter zu fördern und zu vervollkommnen.
Das czecho- slavische Volk kann und darf sich einer solchen Vergangenheit rühmen und es kann Nic-manden verwundern denn es ist auch der natürliche Gang seines Fortschrittes wenn es sammelt, was sichaus jenen Zeiten erhalten hat.
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Die ersten Wecker des Volkes zum neuen Leben sammelten z. B. die im Volke üblichen Lieder, undes gebührt ihnen der Dank dafür, denn auf Grund des Volksliedes konnten die Compositeure die Musik inihrem wirklich volksthümlichen Charakter fortbilden und die Nation von dem Vorwurf verschonen, dass auchdieser Kulturzweig von den Nachbaren entnommen wurde, um mit fremdem Gefieder zu prahlen.
Ein anderer ebenfalls nicht zu unterschätzender Rest gewesener Cultur und gleichzeitig ein Dokumentruhmreicher Zeiten ist die Ornamentik, die sich hauptsächlich in der Volksstickerei zeigt.
Dieser häuslichen Kunst legte man bis vor kurzer Zeit keinen grossen Werth bei; ist ja selbst dieZadruha, bei den Slaven die Mutter alles dessen, was schön und gut ist, wie das Volkslied und die Volksstickereien,in Vergessenheit gekommen.
Dem patriotischen Museum in Olmütz, dessen Stütze der verstorbene Professor J. Havelka war undjetzt unser berühmter Archeolog Dr. Wankel ist, gebührt das Verdienst, dass auch dieser Culturzweigdie Volksstickerei zum Erwachen gebracht wurde. Auf Grund reicher Erfahrungen fingen diese Männeran, unterstützt durch den hochw. Herrn P. Ig. Wurm, Reichs- und Landtagsabgeordneten, die alten Hand-arbeiten der mährischen Frauen zu sammeln.
Als dann mit diesem Streben die Erfahrung und der edle Kunstsinn mancher Damen in Olmütz, anderen Spitze die Frauen Elise Wankel und Vlasta Havelka standen, sich vereinigte, konnte schon im Jahre1885 eine grosse Ausstellung von mähr. Stickereien und Spitzen veranstaltet und später auch die Ausstellungin Wien beschickt werden. Auf beiden diesen Ausstellungen machten die Handarbeiten unserer Frauen undMädchen wahres Aufsehen und wurde ihnen die Bewunderung der Fachkenner und das Lob der hohen Re-gierung zu Theil.
Da Jedermann nicht die Gelegenheit geboten ist, selbst in das Olmützer Museum zu kommen und diehier aufgehäuften Schätze in Augenschein zu nehmen, es aber wünschenswerth ist, dass die Volksstickereienbei uns wieder in ihrer originellen Pracht ins Leben treten, entschloss ich mich, unterstützt durch das Entge-genkommen der Frau Custodin Vlasta Havelka, diese Muster herauszugeben und hiemit beizutragen,damit Kleider und Wäsche unserer Frauen und Mädchen abermals im Glanze der Schönheit der Volks-stickereien erscheinen.
Auch unsere Maler werden so Manches aus dieser Sammlung schöpfen können.
Wird diese Ausgabe in den patriotischen Kreisen die richtige Aufmerksamkeit finden, so ist mein
Ziel erreicht und wird auch das weitere Heft in Kürze nachfolgen.
OLMÜTZ, im April 1887.
BERTHA SOJKA.