18
Schiffzieher, Pferdeknechte auf der Salzach u.... 19) Das„ curieus- lustige"Gespräch findet zwischen dem Allgäuer Jäckerle, Schwäbischen Hänsele, Schwarz-wälder Sima, Tyroler Lippl, oberösterreichischen Stöffel, Steyerischen Riepel undSalzburger Jodel statt. Dieser schwört( im 9. Gsätzl) ,, bei der rupfena Pfoad/bei unsern gspitzten Hüatel", daß er den Franzosen, gegen den es gilt zu Feldezu ziehn ,,, mit Gamsenkugel, Schrot"/ wolle„ schoissen glei maustot". DerLändla- Stöffel schwört bei seinem Knüttel, der Steyrisch Riepl... und Rauf=jodl... drohen, daß sie mit ihrer ,, rostigen Brácksen", wanns„ zum Rauffaangehn" werde ,,, allen die Hácksen abschlagen" würden. Das Raufen ist ihnenallen eine vertraute und willkommene Übung. Wir fassen zusammen: Rauf-jodel bedeutet etwa so viel, wie: Georg, der professionelle Raufer und dann imübertragenen Sinne: ungefüger, händelsuchender Bauernkerl überhaupt.
Daß die Rauflust den meisten bajuwarischen Bauern im Blute lag, ist viel-fach erhärtet. Niederösterreich wird in dieser Beziehung seltener erwähnt alsOberösterreich, wo namentlich die Innviertler gefürchtet rohe Raufer sind. Auchin Baiern, Tirol und Salzburg, das neben Kärnten und Steiermark an ersterStelle steht, begegnen wir ursprünglich in edleren Formen als später
-
dieser tiefgewurzelten Leidenschaft.
Waren nach Abele von Lilienberg früher die Kranichfedern das Zeichen derHerausforderung des Händel suchenden Raufers, so vertrat später die Schild-hahnfeder, nach vorne gekrümmt, in Tirol Huifeder oder Schneidfeder genannt,im Salzburgischen die Feder des Haushahns, ihre Stelle.
Dortselbst ist das„ Hahn sein vadammt,
Sö reißet eahn d'Födan aus,
Eh daß s' van hamt.
Hiezu bemerkt Franz 3illner20): ,, Ein, zwei, wenn der übermut groß ist,drei Schwanzfedern des Haushahnes ragen über den Hut; neigen sie sich nachrückwärts oder gegen einander, so bleiben sie unangefochten; sind sie nach vornegekehrt, so fordern sie jeden heraus, der Luſt hätte, sie zu besitzen."
In Baiern hatte die Feder dieselbe Bedeutung. Ein Beispiel hiefür ist dasVerbot des Aufsteckens der Spielhahnfedern auf den Hüten der jungen Mies=bäcker als„, Geraufherausforderung". 21)
Die provokatorische Bedeutung des Federnaussteckens für die Steiermarkgeht aus vielen Vierzeilern hervor, deren einige hier folgen mögen. Sie stammenaus dem nordwestlichsten Winkel des Landes, welcher an österreich ob der Ennsgrenzt, dem Ausseer Landl. Dort sind sie heutigen Tages noch üblich:
19) Abele von Lilienberg berichtet von den rauflustigen Schiffsknechten aufder Donau( Seltzame Gerichtshändel 1655. II. Bd. pag. 81).
20) Die österr. Monarchie in Wort und Bild, Salzburg, S. 432.
21) Jos. Hazzi Statistische Ausschlüsse über das Herzogthum Baiern",1801-6. Nürnberg.
X M