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Wiener Volkskunde : ein Aufriß
Entstehung
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soll man das Wasser abschlagen. Gegen Haarausfall wird geraten, mit einerBürste auf den Kopf zu klopfen. Höfer hat auch hier aus Kindermund vielMaterial gesammelt. Besonders bekannt sind Angangszeichen, wie Ranch-fangkehrer, Nonnen, alte Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiber. Die Vorschriften in dieser Hinsicht sindmanchmal sehr kompliziert. Wenn man einem Rauchfangkehrer begegnet,muß man stumm an einen Knopf greifen, das bringt Glück. Der Schimmelist als Angangszeichen besonders beliebt. Er bringt Fundglück; man zähltdann bis zum siebenten, oder auch bis zum hundertsten Schimmel. BeiMädchen heißt es, daß der nächste Jüngling, der dann kommt, der Zukünftigesei. Wenn man in einen Hundekot steigt, so bedeutet dies durchwegs Glück.Diese Angangskenntnis leitet bereits zur Traumdeutung über, welchevon großer Wichtigkeit ist, da sie besonders mit der Kenntnis der Lotterie-nummern zusammenhängt. Gewisse Zahlenbedeutungen sind allgemein geläu-fig, sodaß sich der Ausdruck Große Angst hat neunzig" als Redensart ein-bürgern konnte. Die Kenntnis der Bedeutungen wird ständig den Traum-büchern entnommen, welche unter den verschiedensten Titeln umlaufen. Hierschließt sich dann die Prophezeiung selbst an, welche auf verschiedene Weisevorgenommen werden kann. Im allgemeinen bedient man sich der Karten-aufschlagerin", seltener der Zigeunerinnen Glossar ::: zum Glossareintrag  Zigeunerinnen, welche sich dazu anbieten. Aus denKarten oder aus dem Kaffeesaß wird meist die Zukunft vorhergesagt. Andie Kartenaufschlägerinnen wird ziemlich fest geglaubt. Besonders von Franendes Proletariats und des Kleinbürgertums haben sie guten Zuspruch. Mankann sich jedoch die Karten auch selbst aufschlagen. Die Deutung ist sehr all-gemein geläufig.

Segnalaberglaube wird selten bekannt. Interessant erscheint eine Zu-fallsaufzeichnung aus hochadeligen Kreisen, in denen Männer fest daranglaubten, bei zunehmendem Mond einen Sohn zeugen zu können. Sonstspielt der Mond wohl auch eine gewisse Rolle. So soll man beim Karten-spiel nicht mit dem Rücken gegen den Mond ſizen, sonst verliert man. BeiNenmond läßt man sich die Haare schneiden. Etwa um 1890 wurden denMädchen nur mit zunehmendem Monde die Zöpfe gestußt, um ein besseresWachstum zu erzielen. Über die Mondsüchtigen und ihre Heilung ist mancher-lei bekannt, so daß man sie mit Weihrauch beräuchern soll, mit Wasser an-schütten und ähnliches¹).

Wichtigere Krankheiten versucht man im allgemeinen nicht mehrsympathetisch zu heilen, doch sind derartige Praktiken noch bekannt. So sollman gegen Augenschmerzen ein gelbes Band um den Hals binden. Gegen

1) Höfer, Kinderglaube, S. 72.

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