ist) fahren. Der Name Ringelspiel" selbst weist darauf hin, daß diese Formdes Karussells offenbar eine Restform darstellt. Ursprünglich handelte es sichum ein Karussell, bei dem man nach Ringen stach, wie es in Paris um 1815noch üblich war¹). So schreibt denn auch Nicolai:„ Unter andern sah icheinmal ein bedecktes Karussell, wo Personen herumgedreht werden und nachRingen zu stechen pflegen, doch die Leute speisten ihre gebackne Hendel undKipfel im Herumdrehen, sehr unbekümmert um Ringe und Stechen. Alsoauch diese kleine Mühe war zu beschwerlich" 2). Nicolais Urteil über dieTrägheit der Wiener geht wohl zumindest in diesem Fall etwas zu weit. Aufeinem unbezeichneten Stich„ Karussell und ritterliche Übungen im Prater" 3),der ungefähr der gleichen Zeit angehören mag, sieht man einige Ringelspiel-fahrende mit kurzen Holzdegen herumstechen, was wohl ein Ringstechen ge-wesen sein dürfte. Immerhin läßt sich Nicolais Bemerkung, von uns aus be-trachtet, dahin ergänzen, daß eben damals die Übung im Abkommen begriffenwar und auch wirklich langsam erlosch. Außer den Ringelspielen sind diegroßen Schaukeln für den Prater schon seit längster Zeit charakteristisch,wie sie heute meist auch bei den wandernden Ringelspielbesigern mitgeführtwerden. In den verschiedensten technischen Ausführungen wird das Schaukel-problem immer wieder angegangen, kompliziert und so wieder schmackhaft ge-macht. Die technischen Belustigungen spielen im Praterleben überhaupt einegroße Rolle; pseudogefährliche Dinge darunter sind Hauptanziehungs-punkte, so die verschiedenen Bahnen( Hochschaubahn, Bobbahn, Achterbahn).Neben solche pseudogefährliche Vergnügungen tritt die Pseudoromantik,welche die Grottenbahnen hervorgebracht hat, hente die Geisterbahnen, Geister-schlösser und die große Lust an Abnormitäten und Kuriositäten. Diese Dingesind von größter volkspsychologischer Bedeutung, da ihr Beliebtheitskoeffi-zient geradezu statistisch erkennen läßt, ob hier der Geschmack der großenstädtischen Menge erfaßt wurde oder nicht. Das Wachsfigurenkabinett, dieZerrspiegel und anderes wirken heute veraltet und erregen nur mehr wenige.Dagegen haben menschliche Monstrositäten immer wieder einen gewissen Zu-lauf, wie Riesen, Zwerge, besonders dicke Damen. Die jahrzehntelang sprich-wörtliche„ Dame ohne Unterleib" scheint es allerdings nicht mehr zu geben.Ein guter Teil der Praterlust besteht in Resten und Erinnerungen an durch-aus volksmäßige und alte Belustigungsmöglichkeiten, welche einen gewissen
1) J. G. C. Kiesewetter, Reise durch einen Teil Deutschlands, der Schweiz, Italiens unddes südlichen Frankreichs nach Paris. Berlin 1816. 2. Teil, S. 212.
2) Nicolai, Neudrud, S. 199.
3) Abgebildet in der Neuausgabe der Eipeldauer Briefe, II., nach S. 104. Weiter Schmidt,Ringelspiel und Schaukel, Frohes Schaffen., Bd. 13, S. 313 ff.; Erich Mindt, Spiel und Sportals völkisches Erbe, Berlin 1938, G. 53 ff.
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