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Wiener Volkskunde : ein Aufriß
Entstehung
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alten Formen von Herz, Reiter oder Wickelkind. Die Lebkuchen sind mitbuntem Zuckerguß verziert und durch aufgeklebte farbige Bilder verschönt.Lärminstrumente sind die zweitwichtigste Ware, und der Tag, und nocheinige seiner folgenden, ist von dem Geräusch der neuerworbenen kurzlebigenLärminstrumente erfüllt. Im alten Wien spielte wie im Frühling Georgi soim Herbst Michaeli als 3instermin eine große Rolle, hat sie abergegenwärtig nicht mehr inne.

Vom Herbst bis Weihnachten.

Eigentliche Volksfeste von deutlichem inneren und äußeren Leben fallenerst in den November. Der 1. und der 2. November bilden zusammen das großeTotenfest. Daß der erste Tag des Monats allen Heiligen geweiht ist, hat.für das Volksleben nicht die mindeste Bedeutung. Sei es, daß die ungeheureMenge der Gräberbesucher die Verwendung beider Festtage für einen Zweck er-forderte oder daß das Allerheiligen fest auch sonst keine rechte Volks-mäßigkeit besaß: Allerseelen hat alles an Gedanken und Handlungenauf sich gezogen. Daß es alljährlich Allerseelenartikel in den Zeitungen gibt,daß Raupachs Müller und sein Kind" noch immer gespielt wird, gehörthieher. Noch weit stärker aber muß daran erinnert werden, daß in den Dimen-sionen, welche ein großstädtisches Fest annehmen kann, diese Totenfeier auf denFriedhöfen eine Volksbewegung zur Folge hat, welche geradezu das Bild derStadt verändert. Am stärksten war dies zweifellos in den ersten Nachkriegs-jahren fühlbar, als das Gedenken an die im Weltkrieg Gefallenen noch frischwar. Eine Besonderung stellt der spontane Massenbesuch dar, welcher denGräbern politischer Opfer in den letzten Jahren zuteil wurde. Die Heraus-hebung des Gedenkens an bestimmte Tote gehört jedenfalls auch zu den beach-tenswerten Zügen der großstädtischen Totenfeier. Im allgemeinen ist derBrauch des Gräberschmuckes nicht sehr fest umrissen. Blumen und Kränzegehören hier erwähnt; außer ihnen kommen Wachslichter auf das Grab,welche man herabbrennen läßt. Ähnlich wie sich zu Ostern ein altartigesFestgebäck erhalten hat, so gibt es auch zu Allerheiligen ein solches, nämlichden Allerheiligenstrieze l. Er ist schon ziemlich früh bezengt undin seiner Sonderform genau beschrieben worden. Brückmann schrieb um dasJahr 1756,, hac die peculiares intortae similes, Heiligen Strügel, partiminauratae, in furno coquantur, quas unus alteri dono offert" 1). Man

1) Brückmann, Epistolae itinerariae, XXXVII., III, S. 452.

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