Von Ostern bis Pfingsten.
In die Frühlingszeit fallen einige Heiligenfesttage, die auch in Wienvon Bedeutung sind. Der Georgstag ist als Frühlingsanfangsterminbekannt durch die Regel„ Vur Geurgi soll man si net auf a Gras sezn".Der Markustag wird in den ländlichen Bezirken Wiens mit Felderprozes=sionen gefeiert. Das eigenartigste Kirchenfest ist in Wien( Roßau) der Lokal-kult des h I. Peregrinus, der besonders vom 27. April bis zum 4. Maigefeiert wird. Die Feier wurde 1727 in Wien durch die Serviten eingeführtund erlangte seit 1735, da das Fest in das Dffizium der Erzdiözese Wienaufgenommen wurde, größte Beliebtheit, so daß troz mancher Anfeindungender Josephiner die Aufklärung hier keinen Einfluß besaß. Bis heute wall-fahrten Tausende von Wienern in diesen Tagen zum hl. Peregrinus, der alsPatron für Fußleiden auch den Zuspruch bekannter Persönlichkeiten, wie derTänzerin Fanny Elßler und Joseph Haydns fand. Silberne Votive hängenin der Kapelle aus älterer Zeit und Wachsvotive in weiß und rot, aus Gips-formen gegossen, werden jedes Jahr in großen Mengen geopfert. Bei denBuden sind Votive aller Körperteile zu bekommen, doch überwiegt die Opfe=rung von Beinen und Armen. Außer durch diese Verehrungsform ist dasPeregrinifest von alters her durch die Peregrinikipfeln bekannt; diese Kipfelnin allen Größen, welche ursprünglich nur von Hofbäcker Plank hergestelltwerden durften, sollen, möglichst warm genossen, auch gegen Fußleiden gutsein. Um die Buden der Wallfahrtshändler und um den Kipfelverkauf hatsich ein Jahrmarktstreiben entwickelt, das sicherlich den Geist des alten Georgi-marktes der Roßan weiterführt. Die Deutungen des Kipfelgebäckes sind übri-gens ebenso unklar wie die Entstehung der Wallfahrt bekannt und gut er=forscht ist, besonders durch Dswald Menghin¹). Das reiche Dpferwesen,das außer den Wachsvotiven auch Votivtafeln bringt, stellt wohl die wich-tigste wallfahrtskultische Gitte in Wien dar.
Der launische Wettermonat April wird von einem ganz eigenartigenTag, nämlich dem 1. April, eingeleitet, der in Wien traditionell eine eigen-artige Rolle spielt. Er ist ein Neck- und Scherztag erster Ordnung, und zwarin denselben Formen schon seit längerer Zeit. Im April, und besonders amErsten, sollte einem meistens von Narren träumen" schreibt Philipp Hafnerin seinen Songes Hanswurstiques, 17702). Seine Vorgänger in dieser
1) Oswald Menghin, Die Verehrung des hl. Peregrinus in den österreichischen Alpen-ländern, mit besonderer Rücksicht auf Niederösterreich( Jahrbuch für Landeskunde von Nieder-österreich, Bd. XI, 1912, S. 117 ff.). Gugitz, Der hl. Peregrinus und sein Kipfel, in: ,, Volks:Zeitung", 28. 4. 1934.
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2) Philipp Hafner, Werke, hg. Baum, Bd. II., S. 115.