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Wiener Volkskunde : ein Aufriß
Entstehung
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barocke Zutaten vor sich geht, die von der Aufklärung hinweggefegt wurden,und durch die charakteristischen Speisen der letzten drei Tage, an denen mantraditionell in weiten Kreisen dasselbe ißt: nämlich Spinat am Gründonners-tag, Karpfen am Karfreitag und Schinken am Karsamstag. Bekannt istferner die Pumpermetten" 1) und in den westlichen Randdörfern gehen dieRatschenbuben noch durch die Gassen. Ihr häufigster Spruch ist:

Mir ratschen, mir ratschen de Pumpametin,Alte Weiba Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiba stehts auf, bachts Dstafleckn.

Mir ratschn, mir ratschn den Englischen Gruaß,Den jeda Christ wohl betn muaß.

Hierher gehört es auch, daß geschwäßige Frauen mitunter als Karfreitags-ratschen bezeichnet werden. Das Iudas verbrennen fand noch um1824 statt, wie der Engländer James Kolman bezengt2). Allgemein ge=läufig ist die Redensart von den Glocken, die nach Rom fliegen und erst amKarsamstag wieder zurückkehren. Die beiden letzten Tage der Karwoche sindim Kinderglauben noch von Bedeutung, und wenn dieser auch stark ländlichbeeinflußt scheint, so spiegelt er doch stets auch den Glauben der Großstadt-erwachsenen wider3). So bekommt man keine wehen Füße, wenn man imTeich oder Fluß badet, und wer sich gleichfalls am Karfreitag vor Sonnen-aufgang wäscht, hat Glück. Die Karfreitagseier schüßen gegen den Bliz.Wer in sieben Kirchen geht, hat Glück. Singen und Lachen ist am Kar-freitag streng verboten, oder doch nur das Singen geistlicher Lieder erlaubt;darauf hält man noch in vielen Familien. Am Karsamstag soll man sich inMilch waschen, da wird man schön davon". Von den Eierschalen der Kar-samstageier legen die Hennen gut." Der Ostersonntag ist von ähnlichen Vor-stellungen umgeben. So soll man sich an ihm vor Sonnenaufgang waschen,da dies einen das ganze Jahr gesund erhält. Regnet's am Ostersonntag, sodauert der Regen fünf Wochen an. Neben mancherlei anderem Glauben,den Höfer aus dem Kindermund zusammengetragen hat, tritt der Ge-dankenkreis um den Osterhasen und das D sterei in den Vordergrundvolkskundlicher Blickrichtung, da wir hier mit von Anfang an, wenigstens indiesen Formen, städtischen Dingen zu tun haben. Das Alter der Vorstellungenin Wien ist noch nicht untersucht, doch gibt es künstliche Ostereier schon aus

1) Gugit, Pumpermette und Karfreitagsratschen, in ,, Wiener Zeitung" vom 14. 4. 1933,Nr. 88.

2) Als Redensart ist es heute noch bekannt und wird auf den Kohlenhaufen des kirch-lichen Osterfeuers angewendet.

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3) Höfer, Kinderglaube, S. 53.