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Wiener Volkskunde : ein Aufriß
Entstehung
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bürgerliche Neujahr, der 1. Januar und schon der 31. Dezemberals Silvester" wird dagegen allgemein gefeiert und stellt sogar eines derwichtigsten städtischen Feste dar. Am 31. Dezember, dem Altenjahrstag",begeben sich abends sehr viele Leute in die Kirchen, besonders in die Stefans-kirche; viele warten im Freien auf den Glockenschlag Zwölf, ebenfalls in be-sonderem Maß auf dem Stefansplaß, wobei allgemein Profit Nenjahr!"( beide Worte auf der letzten Silbe betont) gerufen wird, man sich auch in dieArme fällt, und in meist feuchtfröhlicher Stimmung spät, beziehungsweiseschon früh nach Hause geht. Am Neujahrsmorgen, an dem wiederziemlich viele Menschen zur Kirche gehen, sind die Straßen von Heimkehrernstark belebt. Aber nicht nur im Freien, auch in den Wohnungen bleiben dieFamilien oder auch kleinere Gesellschaften häufig bis zur Mitternachtsstunde,wobei Gesellschaftsspiele und besonders Bleigießen gern geübt werden. Aus denins Wasser gegossenen Bleiklumpen wird prophezeit. Am Silvester-abend wird auch ein Gebildbrot gegessen, und zwar ein Lebkuchenfisch, derzwar nicht im Haushalt hergestellt, sondern gekauft wird, dafür in bestimmterhalbritueller Weise gegessen werden muß: Man muß ihn beim Schwanz zuessen beginnen, um das ganze Jahr vorwärts zu schwimmen." Am Neu-jahrsmorgen beginnt das gegenseitige Glückwünschen in stärkstem Ausmaß undsetzt sich noch durch einige Tage hindurch fort. Alle Gabenempfänger sinddabei am stärksten beteiligt, so besonders Untergebene, Hauspersonal, Brief=träger. Die Glückwunschkarten und Neujahrsgeschenke tragen meist die Bil-der von Glücksschweinen und von Ranchfangkehrern. Am Neujahrstag, aberauch sonst gilt der Rauchfangkehrer als besonderer Glücksbringer. Die ammeisten angewendete Form, sein glückbringendes Erscheinen auszuwerten, be=steht darin, sobald er sichtbar wird, schweigend an einen Knopf zu greifen. Je-doch auch schwierigere Arten sind, wenn auch zum Teil scherzweise gebraucht,bekannt, so die Bedingung, daß man nacheinander drei Rauchfangkehrer sehenmüsse, danach sieben Schimmel. Scherzhafte Steigerung solcher Bedingungenist dabei beliebt. Die Glückwunschfreude war in Wien um 1800 schon gangund gäbe, ja nach den Zeugnissen zu schließen weitans stärker als heute. DerVergleich ist hier wie bei den meisten Wiener Volksfesten älterer Prägungdurch die wertvollen kulturgeschichtlichen Arbeiten von Gustav Gugit sehrerleichtert¹). Um den Neujahrstag hat sich in Wien auch seit dem An-fang des 18. Jahrhunderts eine eigene Literaturgattung entwickelt, nämlichdie der Post b ü che l" und aller verwandten Erscheinungen. Es hat jeder-zeit einen' mehr offiziellen Teil besessen, der postalische Dinge brachte, und

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1) Gustav Gugiz, Alt- Wiener Neujahrsgeschenke, in ,, Volks- Zeitung" von 31. 12. 1932.Biedermeiers Neujahrswünsche, in ,, Bergland", Bd. 16, 1934, 5. 1, S. 9 ff.

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