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Wiener Volkskunde : ein Aufriß
Entstehung
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gewendet, welche in erster Linie eine Verdeutlichung des Altbestandes durchhistorische Haustypenkarten durchführt. Außer der Bestandaufnahme erwachsenaus seinen Karten und deren Lesung vor allem Erkenntnisse in bezug auf dieWachstumsverhältnisse, welche wir statt der oft getadelten Regellosigkeit an-zusetzen haben. Es sind die der Großstadt eigentümlichen Verkehrsverhältnisse,es sind die Kräfte alter Grenzen wie der Linienwälle und anderes, was dasStadtbild formen hilft. Erwähnenswert scheint hier besonders, was über dasTopographische im Volksmäßigen hinausgreift, nämlich nicht das Vorhanden-sein, sondern das Bewußtsein von Gliederungen in der einheitlich scheinendenGroßstadt. Einzelne Bezirke werden dabei immer wieder hervorgehoben, oftmanche zueinander in Beziehung gesetzt. So ist der 10. Bezirk der zehnteHieb", wodurch Wesen und Sprache des Arbeiterbezirkes angedentet wird.Häufig wird von entere Gründ" gesprochen, wobei deren Lokalisation durch-aus nicht feststeht. Es sind jeweils die Gefilde der harben Zähnt" gemeint.Ursprünglich scheint es sich um Lichtental und den Thurygrund besonders ge=handelt zu haben, also die Wäschermädel- und Fiakerbezirke. Herausgehobensind manche Bezirke wie Ottakring( heiter als Adakling" gesprochen) undHernals( ebenso als St. Hernäus" bezeichnet) oder aber Bezirksteile, be-sonders Erdberg als altberühmter Teil des 3. Bezirkes, oder die Krim", dieUmgebung des Kriminalgefangenhauses, und die Kreta- Insel" im 19. Be-zirk. Stark herausgehoben erscheint selbstverständlich die Leopoldstadt alseigentliches Judenviertel. Offenbar wechseln auch diese Merkmale; Lichtentalund Thurygrund haben heute kaum mehr etwas von ihrem alten Ruhm,ebenso wenig Schottenfeld, der ehemalige Brillantengrund", so wegen derreichen kleinen Fabrikanten in der Mitte des 19. Jahrhunderts genannt undhente längst ein farbloser Bezirksteil¹). Die einprägsamen Benennungenstammen hier wie öfter zu gutem Teil aus dem Volkssängertum.

Über das Wohnwesen als wienerische Besonderung zu sprechen istin volkskundlichem Sinn wohl noch nicht möglich. Es handelt sich um Fra-gen, die nicht einmal im bäuerlichen Bereich noch geklärt sind. Hier, wo manständig von gesunkenen" Kulturgütern sprechen müßte, ist dies erst recht nichtangängig, will man nicht der Großstadtvolkskunde den Boden unter den Füßenwegziehen. Fragen der Wohnkultur gehören zur Volkskunde, ihre Einordnungjedoch erscheint noch unsicher. Mit dem Arbeitswesen und dem damitverbundenen Sa ch gut steht es ähnlich. Spezifische Wiener Gewerbe undderen Gerät und Arbeitsweise lassen sich vielleicht einmal bei einer genauenSichtung des Großstadtwuchses auf ihre Zugehörigkeit überprüfen.

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1) Vgl. Emil Ertl, Lebensfrühling. Leipzig 1932, S. 22 ff.