der Volkskunden landschaftlicher Art wird man freilich hier wie bei jederGroßstadtvolkskunde nicht zu streng handhaben müssen, da viele Themen hiernicht diese Rolle spielen wie auf dem Dorf, andere wieder stärker hervortretenmüssen, auch wenn wir noch vom Großstadtwuchs absehen.
Die Stadtheimat in ihrer Aufgliederung.
Siedlung und Wohnung.
Im Gegensatz zu der großen Rolle der Sachvolkskunde in der bäuerlichenKultur kann in der Stadt und in der Großstadt davon nur wenig berührtwerden, da zumindest heute der Stoff noch nicht durchdringungsfähig ist.
Das großstädtische Siedlungs- und Wohnwesen hat sicherlich in jedemZeitabschnitt Merkmale der Besonderung, welche jeder Stadt ihr Antligverleihen und welche mit dem Geist der Bewohner aufs innigste zusammen-hängen. Diese Größen jedoch heute schon volkskundlich erfassen zu wollen,dürfte kaum gelingen. Das historische Werden der Verbauung Wiens istvon so vielen Faktoren abhängig gewesen, daß die Herausarbeitung der volk-gebundenen Linie einstweilen nicht möglich ist. Aus Einzelheiten läßt sich hiervielleicht mehr ablesen als aus der Gesamtansicht.
Wien dehnt sich aus dem alten Stadtmittelpunkt fast scheiben-förmig nach allen Richtungen aus. Der Kern, die Innere Stadt, steht aufdem Boden der römischen und der mittelalterlichen Siedlung und ist in ihrerEnge das Regierungs- und Geschäftsviertel, um das das Stadtleben ständigkreist. Das überindividuelle Erbe besteht hier außer in dem Festhalten an einemziemlich großen Bestand von alten Bürgerhäusern des 16. bis 18. Jahr-hunderts, etwa den typischen Renaissancehäusern mit ihren Arkadengängen inder Bäckerstraße und am Fleischmarkt, in der Beibehaltung des Bildes derGassen und Straßen, der Beibehaltung jener Eigentümlichkeiten, welche denReisenden des 18. Jahrhunderts ständig auffielen, wie zum Beispiel desargen Mangels an Plägen. Der Ring der alten Vorstädte ist gleichfalls vonziemlich hohem Alter und unterscheidet sich in seinem Wachstum nicht beson-ders in sich, wenn wir von dem bereits besprochenen Vorwiegen von Arbeiternin den einen, von Geschäftsleuten und Beamten in den anderen Bezirken ab=sehen. Eine verhältnismäßig geringe Gliederung, geringe künstlerische Durch-dachtheit hängt aber schon hier mit dem Geist der Zeit des Großstadt-ausbaues zusammen, der sich in den äußeren Vorstädten( den Bezirken11 bis 21) in den schlechtesten Formen äußert und erst in der Zeit nach dem
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