" Böhmisch und Schlesische Docken einfinden,Sieh an o Wienerin, das Jammer und Kreuz.Aus Mähren fallens ein als wie die Bienen."
„ Die in der Steyermark den Sterz versalzen,Reisen den geraden Weg der Wienerstadt zu." 1)
Wieder sind es dieselben Herkunftsgebiete, die hier aufgezählt werden;bis zu einem gewissen Grade scheint man vor dem ungeheuren Anwachsen derZuwanderermengen also dieses Einströmen noch genauer beobachtet zu haben.
Ein jäher Sprung über soziale Abgründe zeigt uns übrigens, daß unsereBeobachtungen an Wiens führenden Köpfen durchaus auf dem Boden derTatsachen bleiben. Man hat sich nur auf einem Gebiet die Mühe genommen,in ungefähr eben dieser Zeit die Einwanderungsgebiete einer Volksschichte fest-zustellen: nämlich der gesellschaftlich abwegigen Zuzügler. Karl Fröhlich2) hat1851 zahlenmäßig belegt genau dieselben Herkunftsgebiete für sie wie wirfür die Auslese festgestellt: nach Dritteln gerechnet stammen sie damals ausWiens Umgebung, aus Böhmen und Mähren und aus den Alpenländern.Außerdem erwähnt aber Fröhlich noch einen Teil, der aus dem Reich, beson-ders aus Bayern stammte. Für die Arbeiter, die damals noch zu den unterstenKlassen gezählt wurden, behauptet Fröhlich ganz ähnliche Herkunftsverhält-nisse.
Wir haben aus dem Jahr 1840 die sachliche Darstellung der WienerBevölkerungsverhältnisse durch Matthias Koch³), der voneiner eigentlichen Einwanderung noch nichts weiß. Er steht auch tatsächlichso sehr am Anfang der Periode der Großstadtwerdung, daß er die Dinge nochnicht erkennen konnte. Er schildert dagegen ganz ähnlich wie die WienerSchriftsteller der Aufklärung, was sich damals an stadtfremden Leuten inWien bewegte, und zeigt dabei jene Schichten auf, die zum Teil die Keimzellender späteren Einwanderung werden sollten. Dazu gehört vor allem der„ Böh-mische Teichgräber", der als Taglöhner kommt und als Saisonarbeiterim Winter in sein Dorf zurückkehrt. Es ist nicht immer so geblieben. Eherwar es ja so beim„ Slowakischen Rastelbinder und Kinderspielzeugverkäufer",der tatsächlich meist wieder zurückkehrte. Er spielte in der Wiener Literatureine gewisse Rolle, nicht aber bei der Einwanderung. Alle Kochschen Beob-achtungen mögen für seine Zeit gestimmt haben. Unbemerkt zogen jedoch schon
1) Rudolf Wolfan, Wiener Volkslieder aus fünf Jahrhunderten. Wien 1924, Bd. I/ 2,G. 158 ff.
2) Fröhlich, Die gefährlichen Klassen Wiens, S. 39.
3) Koch, Wien und die Wiener, S. 334.
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