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Wiener Volkskunde : ein Aufriß
Entstehung
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Schlesien. Jezt können wir die Erscheinung auf eine allgemeinere Formelbringen, wenn wir der vorhin schon genannten gedenken: Niederöster-reich, die österreichischen Alpenländer, das Reich, und dieSudetenländer, aus ihnen stammen die Wiener der Zeit. Symbol-haft und zugleich in seiner Tatsächlichkeit über den Wert des Symbolshinausgehend, haben wir hier die Kernstruktur der Wiener Volkszusammen-segung vor uns. Die niederösterreichische Grundschicht, die einmal Haydn,einmal Hamerling und manchen anderen bringt; der eingewanderte Alpen-deutsche, der je nachdem Stranizky, Mozart, Sauter oder anders heißt undder besonders aus dem östlichen Teil der österreichischen Alpen stammt; dieEinwanderung aus dem Reich, die man Beethoven- oder Metternich- Einwan-derung heißen möchte, und zuletzt die wohl jüngste, trotzdem oder auch geradedeshalb für Wien unendlich wichtig gewordene Sudeten- Einwanderung, gleich-gültig, ob mit ihr Deutsche oder Clawen kamen. Bei den drei erstgenanntengroßen Tonschöpfern fällt übrigens auf: sie wurden jeder persönlich etwas.Nur der vierte, der Schlesier Schubert mußte eine Generation lang warten- nicht der eingewanderte Vater Schubert, sondern erst der Sohn wurdeetwas. Er war nicht der letzte aus dieser Wanderung, der warten mußte,dessen Sippe erst in Wien Wurzel fassen mußte, um Früchte zu zeitigen.

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In dieses Herkunftsschema ordnen sich nun die früher genannten führen-den Geister Wiens mühelos ein und der gemeine Mann, der in dieser Zeitnach Wien kam, hatte dieselben Herkunftsgebiete wie die großen Symbol-träger. Von den vier Teilen verlor nur einer an Bedeutung die Welleaus dem Reich drang nicht mehr nach dem Südosten, nicht mehr bis zur altenReichshauptstadt, als Österreich selbständiges Kaiserreich wurde und die Ab-sperrung, die immer in gewissem Sinn bestanden hatte, jezt bis zur undurch-dringlichen Maner wurde. Die Anziehungskraft der Kaiserstadt galt von daan nur mehr innerhalb des österreichischen Kaisertums. Im Bewußtsein desWiener Volkes scheinen sich diese Einwanderungsverhältnisse schon frühzeitiggespiegelt zu haben. Ein volkstümliches Flugblattlied Menscher, legtsStieffel an" um 1780 beklagt nämlich die Hintansehung der WienerischenMädel" durch die Zuwanderer und zetert:

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Schwäbische Menscher, was macht ihr allhier?Kommts an wegen ein Mann,Schert euch nach Haus!"

Bairische Menscher könnt auch schon ausbleiben,Haben euch noch niemal kein Botten geschickt."