beharrsame Güter wurden gesammelt, Volkslied und Volksmusik¹), diebegreiflicherweise im Zusammenhang mit der Wiener Musik stets sich einergewissen Beachtung erfreuten, ebenfalls. Auch hier spielt der Stadtrand diegrößte Rolle. Dagegen wurde auf das Gut der Stände kein besonderes Ge-wicht gelegt, sodaß hier auch kulturhistorisch wenig vorgearbeitet ist. Nur dieuntersten sozialen Schichten, besonders die Verbrecher, wurden von Seitender Polizei und auch sonst ziemlich gut erforscht. Die Sammlung von AlbertPetrikovits2) gestattet Einblicke in die geringere oder größere Vertrautheitdieser Schichten mit der volksmäßigen Dichtung. Von hier findet sich auchein Übergang zu der Wiener Mundartforschung, da schon 1851 Karl Fröh-lich³) einiges aus der Wiener Gaunersprache aufgezeichnet hat. Noch früherhatte schon Castelli dem Wiener„ Jenischen" seine Beachtung geschenkt, soder Spittelberger Zuhältersprache4). In ihrer Zwischenstellung zwischenGermanistik, Lokalgeschichte und Volkskunde hat die Wiener Mundart-forschung übrigens bis heute nicht viel Glück gehabt und ist zu keinen frucht-baren Ergebnissen gereift5).
Dieser kurze Abriß der Geschichte der Wiener Volkskunde, wenn manüberhaupt von einer solchen sprechen will, hat schon gezeigt, daß von einerGroßstadtvolkskunde hier bisher kaum die Rede sein konnte, wie wohl auch inanderen Großstädten. Am ehesten kann man eine Zeugniskunde zu den wich-tigsten Charaktereigenschaften und Eigenheiten des Wieners anlegen, womitfür die psychologische Seite der Volkskunde auch viel getan wäre. Wie wirunten an Hand von Zeugnissen noch darlegen werden, ist eine Art von un-verlierbarem Grundcharakter auch tatsächlich seit sehr frühen Zeiten stets zuerkennen, und Züge der Grundhaltung mancher ausgesprochenen Individuali-tät unter den Wienern fügen sich dem sehr gut ein. Zur Volkskunde ist jedochnoch mehr erforderlich, und so werden wir denn versuchen, Erbe und Neu-wuchs in ihren Formen zu gliedern und aus den Quellen wie aus der hier sowie immer unumgänglich nötigen eigenen Anschauung ein Bild des WienerGroßstadtvolkes entstehen zu lassen.
1) Eduard Kremser, Wiener Lieder und Tänze, 3 Bände. Alte Lieder fürs Landvolk, heraus-gegeben von Raimund 3oder und Konrad Mautner, Wien. Franz Rebiczek, Der Wiener Volks-und Bänkelgesang in den Jahren von 1800 bis 1848, Wien. Rudolf Wolkan, Wiener Volksliederaus fünf Jahrhunderten, 4 Bände, Wien 1920-1926.
2) Albert Petrikovits, Hinter Schloß und Riegel, Wien 1923. An sozial- fittenschildernderLiteratur der Zeit ist Wien so reich wie alle Großstädte, doch ist sie ebensowenig bedeutend wie
dort.
3) K. Fröhlich, Die gefährlichen Klassen Wiens. Wien 1851.
4) Giglleithner- Litschauer, Der Spittelberg und seine Lieder, S. 41 f.
5) L. Höfer, Die Volkskunde im Wiener Wörterbuch.( Wiener Zeitschrift für Volkskunde,41. Bd., 1936, G. 97 ff.).
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