rende Pülcher" und andere als Darstellungen des Volkslebens um 1900 an-zusehen sind; freilich sind sie kein so wesentlicher Spiegel der Gründerzeit, wieihn Mag Klingers Berliner Vorstadtbild geben mag. Wien besitzt auchkeinen Heinrich Zille. Ihn ersetzen verschiedene Kleinmeister und Karikatu-risten, mehr im Fluß der Zeit stehend als künstlerische Gewissen. Quellen-mäßig ist vor allem die Schattenrißkunst eines Hans Schließmann wichtiggeworden.
Die wissenschaftliche Erforschung im eigentlichen Sinnsetzte erst in den letzten Jahrzehnten ein, als Wien nach dem Weltkrieg wiedereinmal seine Gestalt völlig veränderte, ohne sein Wesen dadurch berührt zusehen. Die Volkskunde knüpfte bei ihrer Beschäftigung mit Wien an keineVorläufer an, schöpfte die Quellen nirgends ans, sondern wies mehr stich-probenartig zunächst auf das Erbe hin, und zwar besonders das bänerlicheErbe. Leopold Höfers Sammlung des Wiener Kinderglaubens¹) gibt in ihrerbunten Fülle das Beispiel einer Sammlertätigkeit, wie sie auf dem Dorf auchgeübt wird. Nur das völlig uneinheitliche Material zeigt den Großstadtwuchsdaran. Arthur Haberlandts2) Beobachtungen bezogen sich fast zur Gänze aufden Großstadtrand, der als eigenes Problem noch zu würdigen sein wird. Inder zusammenfassenden Darstellung der Volkskunde von Wien, Niederöster-reich und dem Burgenland³) verband Haberlandt dann diese Randerkundun-gen mit den Ergebnissen der Altwiener Forschung, wodurch die geistige Ver-bundenheit des älteren Stadtgutes mit dem bäuerlichen Erbe klar zum Aus-druck kam. Die brauchbarste Grundlage zur Erfassung des baulichen Altgutesstellt Hugo Hassingers kunsttopographische Aufnahme von bemerkenswertenAltwiener Häusern dar, welche bäuerliches wie bürgerliches Bangut gleich-mäßig heranzieht4). Der Nemwuchs, der sich volkskundlich, volkspsychologischso schwer erhellen läßt, hatte in diesen historisch gewendeten Darstellungenkaum Plaz. Dagegen wurde auf der Linie der Erforschung des Erbes auchvon anderer Seite viel gearbeitet. Kinderspiel und Kinderlied5) als besonders
1) Leopold Höfer, Wiener Kinderglaube. Ein Beitrag zu Volksglaube und Voltsbrauch inder Großstadt.( Sonderdruck aus Wiener Zeitschrift für Volkskunde, 32., 33., 34. Band, Wien 1929.)2) Arthur Haberlandt, Volkstümliches aus Groß- Wien, in Wiener Zeitschrift für Volks-funde, 28. Band, 1923. S. 1 ff.
3) Arthur Haberlandt, Volkskunde von Wien, Niederösterreich und dem Burgenland, in:Österreich, sein Land und Volk und seine Kultur, herausgegeben von Michael Haberlandt( 1928)G. 258 ff.
4) Hugo Hassinger, Kunsttopographischer Atlas der Stadt Wien. Vgl. auch Paul Kork,Wien am Anfang des 20. Jahrhunderts. Ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung.Wien 1906.
5) Hildegard Zoder, Kinderlied und Kinderspiel aus Wien und Niederösterreich. Wien 1924.
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