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Wiener Volkskunde : ein Aufriß
Entstehung
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meinem Leben" von Friedrich Uhr¹), die mit dem guten Blick des Zua-grasten" Uhl war Schlesier vom Wesen des Wienertums gerade inder Mitte des 19. Jahrhunderts ausgehen und über Theater und Presse zusehr eindringlichen Charakteristiken der Wiener Gesellschaft kommen.

Neben das Schrifttum tritt im Prozeß des Selbstbewußtwerdens desWienertums noch die bildende Kunst, vor allem die Malerei, als Zeug-nis für die Selbstbetrachtung wie als Quelle für die nachfolgende Forschung.Für das 18. Jahrhundert sind wohl manche Bildquellen bekannt, doch nurwenige erschlossen. Am wichtigsten scheinen die Kaufrufe, welche auf sehr gutcharakterisierenden Stichen Volkstypen Glossar ::: zum Glossareintrag  Volkstypen darstellen. Jakob Adams ,, Abbildungen des gemeinen Volkes zu Wien"( um 1780) sind mit ihren 99 Kupfernvielleicht die beste Quelle, wenn auch künstlerisch von Brands Kaufrufzu Wien"( 1775) 2) übertroffen. Auf Einzelblättern wurden Volkstypen Glossar ::: zum Glossareintrag  Volkstypenund kleine bezeichnende Szenen auch weiterhin noch gerne festgehalten. Späterhat hier vor allem das Biedermeier mit seinem eigenartigen Realismus sichden Hauptanteil geschaffen. Malerisch zum Teil von den barocken Nieder-ländern abhängig, ist hier die Genre- und Sittenbildmalerei der Fendi,Danhauser, Waldmüller, Johann B. Reiter und mancher noch wenigerbekannter Meister zu einer ganz eigenen Blüte gelangt. Zum Teil hat ihnenallen die biedermeierliche Entdeckung der Alpen den Blick für das eigeneVolkstum geschärft³). Leider steht es mit der Erforschung der AltwienerMalerei noch nicht so gut, daß die Volkskunde eine richtige Stütze in geistes-geschichtlicher Hinsicht daran finden könnte; bis jetzt bleibt es bei einer reinquellenmäßigen Kenntnisnahme, die bei dilettantischen Malern, wie dem fastunbekannten Schuster Michael Neder, fast zur Volkskunstbetrachtung wirdwerden müssent). Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, die der öster-reichischen Malerei nicht sehr günstig war, hat dennoch manche eigenartigeKünstler gebracht, die gerade das Wiener Volksleben zum Teil realistisch,zum Teil impressionistisch sahen und darstellten. Am bekanntesten von ihnenist Joseph Engelhardt, dessen Bilder Ball auf der Hängstatt"," Der frie-

1) Stuttgart und Berlin, 1908.

2) Neudruck: 40 Typen nach dem Kupferstichwerk aus dem Jahre 1775. Wien 1935.

3) Vgl. Schmidt, Die Stellung der Wiener Biedermeierdichtung zu Volkstum und Volkskultur( Germanisch- Romanische Monatsschrift, 1938, Bd. 26, 5. 7/8, S. 278 ff.).

4) Vgl. die einzige umfängliche Darstellung von Ludwig Hevesi, österreichische Kunst1800-1900. 2 Bände. Leipzig 1903(= Geschichte der modernen Kunst, Bd. 2 und 3). Eine guteAuswahl des Bildmaterials bietet E. H. Zimmermann, Das Altwiener Sittenbild, Wien 1923.über J. B. Reiter und M. Neder vgl. die an Entdeckungen reiche Ausstellung bei Neumannund Salzer, Wien 1937. Katalog J. B. Reiter, 1813-1890.

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