Ansäße zur Großstadtvolkskunde, die bisher vorliegen, eine ausgesprocheneNeigung zeigen, den Handarbeiter in den Mittelpunkt zu rücken, ihn zumeigentlichen Träger des Großstadtwesens zu machen und daher auch ihn alleinzu erkunden, was ebensowenig angebracht erscheint wie die Einengung derVolkskunde auf die Erforschung des Banerntums und seiner historischenGüter.
So kommen wir zur volkskundlichen Bestimmung des Großstadtmenschen.Wir erfassen den Volksbegriff als einen Ganzheitsbegriff und sehen die Zwei-heit von Individuum und Gemeinschaft vor uns, deren wesentlichste Erschei-nung für die Volkskunde nicht im Gegensatz der beiden besteht, sondern in derVerwurzelung des Einzelmenschen in der Gemeinschaft. Für unseren Zweckist sogar der Begriff des Stadtmenschen, den wir volkskundlich betrachtenwollen, zur Genüge geklärt, wenn wir ihn soweit als Objekt der Volkskundeansehen, wie er jeweils seiner Gemeinschaft verbunden erscheint. Damit istGemeinschaft nicht oder nicht nur als gesellschaftliche Form gemeint, sondernals Erscheinungsform eines Gedanken- und Gefühlskreises, wohl auch alsangestammter oder gewonnener Lebenskreis. Alle weiteren Bestimmungen desgemeinschaftgebundenen Menschen gehören nicht mehr erstrangig hierher, dameist dabei nicht mehr das Gesamtproblem, sondern die Problematik der ein-zelnen Lebensformen vorliegt, deren bei den einzelnen Kulturerscheinungen eherzu gedenken ist.
Die bisherigen Einzelarbeiten über Großstädte können wir zu zweianderen Erscheinungen des volkskundlichen Schrifttums in Vergleich setzen:zu den Landschaftlichen Volkskunden und zu den Dorfmonographien. Zu denletzteren haben sie gewiß mehr Beziehungen als zu den landschaftlichen Dar-stellungen in ihrer Flächenhaftigkeit. Die örtliche Beschränkung bleibt fürStadt und Dorf dieselbe, und auch der Aufbau kann hier wie dort ähnlichgehalten werden, wenn wir uns nur dessen bewußt sind, was wir volkskundlicherfassen sollen. Von dem Willen des Bearbeiters bei der Bestandaufnahmehängt es ab, ob er nur die Altbestände, oft nur die Restformen aufnehmen unddarstellen will oder auch das Gegenwärtige oder beides in seinen Bindungen.Das Widerspiel, auf das diese Wiener Arbeit aufgebaut ist, scheint bei allenlokalen Monographien vorzuliegen oder sollte es doch, das Widerspiel vonErbe und Neuwuchs. In der Dorferforschung wurde bisher der Neuwuchs faststets stark vernachlässigt und das Erbe überwältigend in den Vordergrund ge-rückt. Freilich dieses zumeist, besonders in der Sachforschung, als das Erbe etwader letzten zwei Jahrhunderte. So besitzen wir heute meist eine Bauernvolks-kunde, die für die Zeit um 1800 gilt. Mit diesem Verfahren würden wir beider Großstadtvolkskunde sehr bald zu einer Stadtkulturgeschichte kommen,
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