35
altdeutscher Gewohnheit am Weihnachts-( Neujahrs-) Abend zusammeneinen Honig kuchen als Zeichen der Zusammengehörigkeit auch imkommenden Jahre; ein Sippschaftsopfer für die Ahnengeister, dasfrüher durch den Honigzusatz zum Seelenbrei vertreten war. DerHonig war der» Totenbalsam«<, den die Römer besonders am Rheinkultivierten, indem sie honigreiche Bienenpflanzen importierten( sieheNeujahrsgeschenk der Zürcher Naturforscher- Gesellsch. LXVII, 18),womit erst eine intensivere Bienenzucht in Bienenstöcken aufkommenkonnte. Der Honig, nicht nur der Waldbienen, sondern auch derImker, war stets eine zu kostbare Delikatesse, die in den breitenVolksschichten schon früh durch süßere Früchte ersetzt worden seinmuß, weshalb Früchten-, Hutsel-, Klötzen-, Birnenbrot, auch>> Hutsel-kuchen das den Honigkuchen vertretende bäuerliche Fest- undZeitgebäck der süddeutschen Bauern bildet; in städtischen Verhält-nissen aber trat der teure Honigkuchen mehr in den Vordergrundund war1500 zu Konstanz ein Patengeschenk auf Weihnachten.( Kriegk, Deutsches Bürgert. I, 352.) Was an Güte dem Kuchenmangelte, das ersetzten die bäuerlichen Kreise dann durchMenge oder Größe des Festkuchens, der zum Festschmausegehörte; so waren in Thüringen dreierlei Kuchen aus einer MetzeWeizen auf Weihnachten üblich und herkömmlich.( Wolf, Beitr. I,104.) Im Norden hat noch 1825 bei den Bauern der Brauch bestanden,zur Weihnachtszeit mit ganzen Fudern von allerhand Saatkorn undGrütze, 24pfündigen Weihnachtskuchen( Julekager) und mit Kuchenaus besser durchgesichtetem Roggenmehl in der Nachbarschaft herum-zuziehen( Ortwein, 1. c. 95; Feilberg2, 114); in Dänemark ist der» Sichtebrot kuchen«( sigte brød-, sigte- kage), aus länger gesichtetem,feinerem Roggen mehle hergestellt, ein besseres Weihnachtsgebäck( Feilberg1, 1. c. I, 232; 2, 113, 114, 115, 129); in den Niederlanden der>> Christ-kuchen«( kerskoeken), der( nach Liebrecht, l. c. 440; Wolf, l. c. I, 119)stollenartig sein soll, in der Schweiz der» Weihnachts kuchen«<, dermit Eizusatz verbessert ist( Schw. Id. III, 140); in Frankfurt am Mainwurden 1456 solche Weihnachtskuchen bei der Pfarrkirche von denLebküchnern in Kramständen feilgeboten.( Kriegk, l. c. I, 567.)
die
Die dänischen»> Jul kuchen«( julekager) haben ganz verschiedeneFormen; Feilberg2, 114, erwähnt als solche Julkuchen unter anderenPfeffernüsse, Königsfiguren, Widder, Waffeln( goderåd), Fladen,Schwesterkuchen etc. Über den vermutlich nach Dänemark im-portierten Schwester kuchen siehe Z. d. V. f. V. K. 1904, S. 268.Der schwedische Saat kuchen( så- kakan, englisch 1638 seed cake)wird aus dem letzten Julbrotteige oder dem Mehle der letzten Jul-garbe hergestellt für die unterirdischen Seelengeister. Die letzteErntegarbe enthält sozusagen in nuce in konzentriertester Form dieQuintessenz, die bei der Aussaat in den Boden gelegten Lebens- undWachskräfte, deren günstiges Aufkeimen nach der neuen Aussaat
3