Druckschrift 
Weihnachtsgebäcke : eine vergleichende Studie der germanischen Gebildbrote zur Weihnachtszeit
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

25

dem Seelenbrote versöhnbaren Totengeister zum zauberhaft wirkendenHeilmittel, aber auch zum Mittel, um die Gunst dieser Geister imkommenden Jahre schon im voraus kennen zu lernen, eine Art vonAuguriumobjekt.

Am heiligen Christabend legen im Egerland die jungen Leuteunter drei Häflein ein Brot, eine Kohle( Opferbrand) und ein Kränzleinoder eine Kindlein figur; dann geht eine Person hinaus unter denSternenhimmel und mit verbundenen Augen wieder herein; welchesHäflein sie aufhebt, das darunter Angedeutete wird ihr dann» imkommenden Jahre« widerfahren; denn das Brot bedeutet das reich-liche Auskommen, die Kohle( wie auf dem Grabe) den Tod oderKrankheit, das Kränzlein die Heirat etc.( Z. f. ö. V. K. 1900, 121.) InStralsund stellte man eine Garbe, die den Namen» Kindsfuß«< hatte( über diesen später unten Näheres), während der Mittwinternacht insFreie, damit der Weihnachtstau darauf falle und durch das so be-netzte Futter das Vieh fruchtbar werde( Mannhardt, Wald- und Baum-kult 233). Im Allgäu gibt man dem Vieh gegen Hexeneinfluß Brotoder Heu zu fressen, welches in der heiligen Nacht mit Weihwasserbesprengt worden war.( Mitteilung des Herrn Kurat Frank in Kauf-beuren.) Man sieht, wie auch das symbiotische Hausvieh an dem Segender nächtlichen Kultzeit Anteil nehmen muß, damit es recht gedeihe.( Vergl. Knoop, l. c. 177.)

In Schonen( Schweden) geht niemand am Weihnachtsabend vonder Tafel, ohne dem Hofhunde einen Bissen Brot zu geben( Ortwein,1. c. 93),( Feilberg 2, 186), vermutlich um ihn vor der Tollwut zu sichern.Im 13. Jahrhundert war das» Weihnachtsbrot« schon zum Heil-brot geworden,» die prosem, die ze weihnachten vber werden, di gibze essen dem, der tob von hunden oder anders«( Wiener Sitzungs-berichte, LXXI. Band, S. 488).

Diese Sicherung vor Krankheitsdämonen durch das neujahr-zeitliche Weihnachtsbrot erklärt auch den schlesischen Volksbrauch.>> Soll ein junger Hofhund recht böse werden, so gibt man am Christ-abend drei Bissen Brot mit Knoblauch oder Salz bestreut«( Wuttke,§ 680), das heißt, ex contrario wird hier ein junger Hund besonderszur Wachsamkeit zu erziehen versucht; es ist dies eine aus demälteren Brauch falsch abgeleitete, sekundäre Vorstellung.( Kühnau,Mitteilungen 26.)

Im germanischen Norden war es Sitte, daß die Hausmutter amWeihnachtsabend in den Stall ging und den Kühen ein Stück Jul-brot reichte, indem sie sagte:» Es ist Jul, Kuhchen mein!<< Der Haus-vater wiederum setzte den Pferden Julbier vor, das vorher durch einKreuzeszeichen gesegnet war.( Globus, LXXII. Band, S. 378, Feil-berg, 193.)

Im Schweizer Simmentale sollte man jedem Tier im Hause amWeihnachtsabend drei Stück Brot zu fressen geben, das sollte gut