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die Überlebenden heimsuchen; die von ihnen berührten Speisenwerden zu Glücks- und Zaubermitteln, welche wunderbare Kräfte undnamentlich heilsame Wirkung gewinnen; ja sogar die Haustierenehmen durch den Genuß der Kultspeise am Segen der Kultzeit Anteil.( Vergl. Globus, 72. Band, S. 375.)
In der Planer Gegend tragen die jüngeren Hausgenossen demZempa oder der Perchta in der Weihnachtszeit Speisereste des Abend-essens in die Gärten, wobei die Mädchen singen:» Belle, Hündchen,belle! Über neun Kirchspitzen, wo mein schönes Liebchen sitzt!<«<Dort, von woher das Hundegebell herauftönt, wohnt dann der Geliebteder Ruferin.( Z. f. ö. V. K. 1897, 116.) Der Fruchtbarkeitssegen erstrecktesich sogar auf die Pflugschar, welche auf Weihnachten( 1468) inBayern unter den Perchtentisch gestellt wurde( Z. d. V. f. V. K. 1904,S. 144) zum glücklichen Segen für die kommende Saat- und Pflugzeit.In Tirol ging der Bauer in dieser Nacht auf den Obstanger und luddie Obstbäume( das heißt, die in diesen wohnenden Vegetationsgeister),die draußen standen, ein zum Essen; ohne diese Einladung, wähnteman, würden sie» im kommenden Jahre« nicht gerne blühen oder nurwenige Früchte tragen. In Mähren legen die Leute am Weihnachts-abend von jeder Speise einen Löffel voll auf einen besonderen Tellerund schütten nach dem Essen alles in den Hausbrunnen, das heißt, sieopfern den Wassergeistern; der dieses tut, der spricht:» Der Hausvatergrüßt dich und läßt dir durch mich sagen, Brünnlein, genieße mit unsdas Festmahl; aber dafür gib du uns Wasser in Fülle; wenn aber indem Lande Durst herrschen wird, dann treibe ich dich mit deinerQuelle aus!«( Weinhold, Quellenverehrung 56.*)
Die ungarischen Deutschen, die zum Teil aus Franken stammen,lassen den Rest der festlichen Mohnspeise, wenn sie am Weihnachts-vorabend zur Kirche gehen, als frå Holden teil in der Schüssel liegen.( Meyer, Myth. d. G. 433.) Auf Seeland ergreift am Weihnachtsabendder dänische Bauer einen Korb mit Speisewaren und reitet um den( Toten-) Hügel, in dem das Ellefolk( elbische Seelenvolk) wohnt,dreimal im Umkreise herum und legt dann das Ganze auf einenhohlen( Opfer-) Stein neben dem Hügel nieder; am nächsten Morgenist dann alles weggenommen, das heißt, die versöhnende Speisungder Seelengeister im Totenhügel ist vollzogen.( Z. d. V. f. V. K. 1898,138.) Einen solchen» Totenberg« mit Pferdeumritten und Opfern vonhufeisenförmigen Gebildbroten werden wir später auch in Deutsch-land noch kennen lernen.
Solche Neujahrsgebräuche ließen sich nun noch mehr anführen;hier genügt es, mit den bisher angegebenen Beispielen zu zeigen,
*) Vergl. die Behandlung, die der vom Wassersegen abhängige Weinpatron SanktUrban( 25. Mai) nach Seb. Frank( Schoeppner, II, 297, 298; Bavaria, IV, 1, 244) erfährt,wenn das Wetter für die Weinernte ungünstig ist.( Praetorius, Blocksberg 114)