DR. RUDOLF TREBITSCH, RASSE, KULTUR UND SPRACHE.
färbt, kommt auch in weltweiter Verbreitungvor. Auf die Bemalung des eigenen Körpers, dieebenfalls an vielen Stellen unseres Planeten üblichist, ist der Urmensch vermutlich leicht gekommen:Er braucht nur in unbekleidetem Zustand inSchlamm geraten zu sein und er war schon an-gestrichen. Häufig mag das Färbeverfahren vondiesem Erlebnis aus seinen Anfang genommenhaben.
Mit den rein geistigen Errungenschaften der Kulturverhält es sich ähnlich. So ist es erwiesen, daß dieEntwicklung der Religion allenthalben auf Erdenungefähr denselben Weg gegangen ist; Immer folgteim Glauben der Zeit der Belebung des Alls mitGeistern eine Periode der eigentlichen Götter. Vonda aus kam es erst, wenn überhaupt, zum Mono-theismus, eine Stufe, auf die freilich viele Völkerniemals gelangten. In den Rechtsformen und de-ren Entwicklung lassen sich ebenfalls universellÜbereinstimmungen nachweisen. Wohl überall bil-dete sich allmählich durch Festlegung der Sittedas Gesetz heraus. Die Heilkunde zeigt auch inden Anfängen der Menschheit in den verschieden-sten Gebieten gleiche Erscheinungen: so die Blut-entnahme, den Aderlaß, für den wir nicht selteneigene Instrumente vorfinden, und die Massage.Bemerkenswert ist es, daß uns nicht nur dieseganz einfachen Verfahren allenthalben begegnen,sondern auch kompliziertere, wie das Herausstem-men eines Knochenstückes aus dem Schädeldach,die sogenannte Trepanation, zur Heilung von Ver-letzungen und Krankheiten des Kopfes.Diese durch die angeführten Betrachtungen er-
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härtete Einheitlichkeit des Menschengeistes läßt sichziemlich gut begreifen, wenn wir annehmen, daßsich die Menschwerdung nur in einem bestimmtenGebiet der Erde vollzogen hat. Von den meistenForschern, die mit mir dieser Ansicht sind, wirdangenommen, daß es sich da um das südliche Asien,oder einen angrenzenden, in prähistorischer Zeit insMeer versunkenen Landstrich, oder um Australienhandeln dürfte. Hier wären wohl alle klimatischenund sonstigen Vorbedingungen für diesen Werde-gang gegeben. Die genannte Hypothese führt inder Wissenschaft den Namen: Die monogenetischeAbstammung des Menschengeschlechtes.
Die früher erwähnten Rassentheorien, die mitihren ganz unhaltbaren Grundanschauungen undVerwechslungen den Geist ihrer Gläubigen vergiftethaben, sind wohl mehr oder minder auch die Ur-sache des in diesem Weltkriege mächtig über-schäumenden Völkerhasses. Wie ich durch meineAusführungen bewiesen zu haben glaube, sind eskeine sehr ins Gewicht fallenden Unterschiede, dieRassen und Völker voneinander trennen. Es wäreendlich an der Zeit, daß auch unsere Politik ihreFolgerungen aus den Lehren der Wissenschaft zie-hen würde. Möge sie auch schließlich den schönenWahlspruch der französischen Revolution beherzi-gen, der lautet: ,, Freiheit, Gleichheit, Brüderlich-keit!" Dann könnte ein künftiger Friede zu einemungestörten kulturellen Wettbewerb der Nationenführen, wobei allen Völkern in gleicher Weise dieMöglichkeit ihres Gedeihens gesichert wäre. KeineNation würde fernerhin imstande sein, die anderezu knechten.
Roßberg'sche Buchdruckerei, Leipzig.