Druckschrift 
Visions of Pride : eine universitäre Forschung im urbanen Raum
Entstehung
Wien [2020]
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PRIDE WASA RIOTNOT A BRAND

A riot, not a brand!

Kritische Zwischentöne auf der Regenbogenparade

Lorenzo Vianini

Genau genommen nehmen alle Prides welt-weit alljährlich Bezug auf die New YorkerStonewall Riots vom Sommer 1969. Weilrunde Jubiläen jedoch stets den Anlass fürFeierlichkeit und historische Rückschau bil-den, konnte es 2019 nicht ausbleiben, dassdie Community ihre Geschichte noch mehrin den Vordergrund rückte als sonst. Auchin Wien wurde voriges Jahr Erinnerung ze-lebriert. Der New Yorker Aufstand stiftetIdentität! Doch wie viel Riot steckt in derRegenbogenparade, die längst ein Ereignisunter vielen geworden ist? Auf der Euro-Pride habe ich nach Zeichen von Rebelliongesucht. Viel zu finden habe ich nicht er-wartet, denn Prides sind heute vor allemFeste. Dennoch zeigt die eine oder anderekritische Parole, dass nicht alle Marschie-renden nur in Feierlaune sind. Die Gruppea3queerformat etwa stellte ihre Teilnahmeunter das Motto>> how to pride?<< und be-antwortete die aufgeworfene Frage mittels

einer Vielzahl handgefertigter Transparen-te, die die Logos multinationaler Konzernezeigten. Anstelle der Konzern- oder Mar-kennamen hatten die Aktivist* innen jedochauf allen Transparenten stets das Wort>> Riot<< eingefügt, was auf die Kommerzia-lisierung der Parade und deren Vereinnah-mung durch die Industrie verweisen sollte.Unter den Logos jenes von Barilla, einemitalienischen Nudelhersteller, dessen Chef2013 durch homophobe Statements auf-gefallen war. Nach Boykottaufrufen in Ita-lien nahm Barilla eine unerwartete queereWende, begann die LGBTIQ*-Community zuumgarnen und wurde 2019 Unterstützer derWiener Parade. Einsicht oder Pinkwashing?Eine demonstrierende Person wollte sichdiese Frage offenbar gar nicht erst stellen

ihr Plakat zeigte eine Botschaft, die sichgenerell gegen die Kommerzialisierung desEvents wendet:» Pride was a riot, not abrand<<.