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Visions of Pride : eine universitäre Forschung im urbanen Raum
Entstehung
Wien [2020]
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Win- win unterm

Regenbogen?

Eveline Haselsteiner

Im Juni 2019 steht Wien im Zeichen des Re-genbogens. Zum zweiten Mal ist die StadtGastgeberin der EuroPride. Seit Wochenlassen sich Veränderungen im Stadtbild be-obachten. Die Regenbogenflagge ist all-gegenwärtig: Die Bundesbahnen bringenregenbogengebrandete Zuggarnituren aufSchiene, REWE ziert Filialeingänge mit Regen-bogenaufklebern. Getränkehersteller spru-deln vor Glück im Zeichen von>> Liebe, Of-fenheit, Zusammengehörigkeit, Geselligkeitund Miteinander<<( Almdudler). Die magischeZahl von einer Million Besucher* innen wirdkommuniziert- verbunden mit dem Hinweis,dass es sich bei der LGBTIQ*-Community umeine kulturinteressierte, städtetourismusaffi-ne Klientel handle, die 20% mehr verdiene alsder Durchschnittsgast.

Die Vorfreude ist nicht ungetrübt:Prides stehen in der Kritik, dazu genutzt zuwerden, im globalen Städtetourismuswett-bewerb das Image der weltoffenen Stadtzu bespielen, um neue Besucher* innen zugewinnen. WienTourismus- Direktor NorbertKettner bestätigt dies gleichsam, indem erder EuroPride einen hohen Stellenwert alsWirtschaftsfaktor und Element der Imagebil-dung attestiert. Verlieren Prides damit ihrenpolitischen Biss? Jedenfalls werden sie größerals sie auf nichtkommerzieller Basis je werdenkönnten.

Am Paradetag erlebe ich, wie hundert-tausende Menschen gegen den Uhrzeiger-sinn über die Ringstraße paradieren. Ich seheLogos von Gewerkschaften, Parteien, NGOsund Firmen, aber auch Transparente mitkommerzkritischen Parolen ein Abbild derGesellschaft, in der wir leben, nur eben ziem-lich eindeutig LGBTIQ*! Vom Kommerz über-fahren fühle ich mich nicht. Wie kommerzielldarf Pride sein? Wer darf von wem profitie-ren? Gewinnen wirklich beide Parteien ineiner Win- win- Situation? Eine abschließendeAntwort darauf kann ich nicht anbieten. Wohlaber kann ich zu der Überlegung anregen, wiees um eine Gesellschaft bestellt ist, in derUnternehmen ihre Logos nicht in LGBTIQ*-Kontexten sehen wollten.

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Wenn Teilnehmende und Zu-schauende verschmelzen

Christina Köẞldorfer

Sich» gemeinsam in der Öffentlichkeit zuzeigen, im Sinne eines selbstermächti-genden Aktes der Stigma- Bekämpfung<<sei zentrales Ziel der Regenbogenparade,schreibt die Wiener Aktivistin Marty Huber.Somit erfordern Pride- Märsche Menschen.Nicht nur marschierende, auch zuschauen-de. Beide Gruppen sind in Wien reichlichpräsent. Dass die Paradierenden ein Zielverfolgen und worin dieses besteht, ist da-mit erklärt. Worin aber besteht das Ziel derZuschauenden? Auf der EuroPride habe ichmich umgesehen und mit einigen Zuschau-enden gesprochen.

Vergleicht man die Wiener Parade mitParaden anderer Städte, so fällt auf, dass eskeine Absperrungen zwischen Teilnehmen-den und Zuschauenden gibt. Beide Gruppenverschmelzen, was der Stimmung zuträglichist. Und nicht nur das: Wie sich in den Ge-sprächen zeigte, sind weit mehr zuschau-ende Menschen zugleich Teilnehmende.Immer wieder äußerten die Zuschauenden,dass sie sich den Anliegen der Parade ver-bunden fühlten und selbst ein Stück weitmitmarschieren. Die Rede war von> guterStimmung<, von» einer Riesenparty<< undspeziellen Vibes des Events. Hier und dasprachen Befragte auch davon, nur der Partywegen gekommen zu sein. Völlig indifferentdürften sie der Community gleichwohl nichtgegenüberstehen. Wer feiert schon auf einerParty, deren Gäste er* sie unsympathischfindet? Dies ließe den Schluss zu, dass andiesem Ort alle mit allen zusammenhängen,weil alle einander wechselseitig brauchen.Ein Mann, der mit seinem Partner unterwegswar, brachte die Stimmung auf den Punkt:>> Toll, wie die Bevölkerung mitgeht, obwohldie Leute sozusagen eigentlich nichts damitzu tun haben, aber das trotzdem irgendwiemitnehmen und Freude haben<<.