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Visions of Pride : eine universitäre Forschung im urbanen Raum
Entstehung
Wien [2020]
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moreVISIBILITYless

HATE CRIMESS

STAHL

Unnormales normalisieren

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Exzentrische Outfits und nackte Hautauf der Regenbogenparade geht das, aber in der U- Bahn?

Emilie Sitter

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>> Sonst wäre es mir unangenehm; heute istdas ganz normal<<, sagt eine Freundin, als sieim Rathauspark öffentlich ihr T- Shirt wech-selt, denn bei all den freizügigen Auftrittenauf der EuroPride fällt das nicht auf. Trotz-dem lässt der Satz aufhorchen, da er mitdem Ziel von Prides im Einklang steht: Dinge> normal machen, die sonst Irritation erzeu-gen z.B. den in der Öffentlichkeit entblöß-ten weiblichen Oberkörper. Der PhilosophinJudith Butler zufolge wird Geschlecht durchdie Wiederholung performativer Akte er-zeugt, die als weiblich oder männlich de-finiert sind. Die Bühne hierfür: die Öffent-lichkeit. Doch, welchen Unterschied machtes, ob es die Bühne der Pride oder eine all-tägliche ist- z. B. ein öffentliches Verkehrs-mittel? Butlers Antwort: Auf der Pride gälten>> Theaterkonventionen<<, so dass die Verlet-zung von Gendernormen mit dem Argument> das ist nur ein Spiek derealisiert werde. DieU- Bahn indessen ist kein> Theater<, so dassnon- normative Auftritte beunruhigen.

Am Tag der Parade mache ich michdeshalb in Wiener Öffis auf die Suchenach Beunruhigendem. Ich treffe auf eine

Gruppe nur mit Shorts und Hosenträgernbekleideter> Matrosen<. Ich höre von posi-tiven Erfahrungen in der Straßenbahn undvon Komplimenten der Fahrgäste. Auf mei-ne an die von auswärts angereiste Gruppegerichtete Frage, ob sie bereits in diesenOutfits in den Zug gestiegen sei, höre ichjedoch ein entrüstetes» Das kann man janicht machen!<< Offenbar erweitert sich derGeltungsbereich der Theaterkonventionennicht bis in die Bundesländer, wohl aber einStück weit in die Außenbezirke- immerhin!

Ein junger Mann mit Glitzer- Makeupund exzentrischem Outfit erzählt, dassetwa die Hälfte der Reaktionen bei seineröffentlichen Anreise zum Life Ball negativgewesen sei. Am Tag der Pride hingegenunterblieben die» üblichen[ abfälligen]Kommentare<<.

Dies zeigt, dass die Mission der Pa-rade längst nicht erfüllt ist. Aber dies zeigtauch, dass der eingeschlagene Weg richtigist und die Theaterkonventionen auf derParade geeignet sind, Unnormales zu nor-malisieren- wenigstens für einige Stunden.