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Siebenbürg.-sächsische Leinenstickerei
Entstehung
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Siebenbürgisch- sächsische Leinenstickereien.

Schon zur Zeit der Römerherrschaft war den Germanen sowohl die Weberei wie die bunte Stickereibekannt. Zwei hervorragende römische Schriftsteller geben hievon Kunde: Plinius, der berichtet, daß ausden nordgermanischen Ländern ein feines Leinengewebe nach Rom gebracht und dort gerne gekauft werde,und Tacitus, der in feiner Germania" die Tracht der Germanen beschreibt und hiebei erwähnt, daß derenGewänder farbige Stickerei aufweise.

Auch im frühen Mittelalter ward die Kunst des Stickens in Deutschland eifrig gepflegt, insbesonderein Nonnenflöſtern und von fürstlichen Frauen. Das älteste aus dieser Zeit erhaltene Tenkmal weiblichenKunstfleißes ist der ungarische Krönungsmantel, den 1031 Gisela, die Schwester Kaiser Heinrichs II. undGattin des Ungarnkönigs Stefan 1., auf Purpurjeide mit Goldfäden ſtickte. Kleidung und Wäsche ward imMittelalter mit Stickereien geschmückt, wovon auch in den Heldenliedern der Edda Erwähnung geschicht.Es muß daher als bestimmt angenommen werden, daß jene deutsche Frauen, die vor bald 800 Jahrenvom Niederrhein ihre Männer nach dem fernen Ostland Transsylvanien" begleiteten, mit Weberschiffchenund Sticknadel ebenso fleißig hantierten, wie ihre Männer mit Art und Pflug!

Die Muster der alten deutschen Stickereien waren dem Hausleinen, auf dem sie ausgeführt wurdenund dessen Fäden leicht abzuzählen waren, angepaßt, daher sie sich aus diagonalschrägen und rechtwinkligenLinien zusammenseßten. Diese Muster haben sich, wie in den nordgermanischen Ländern, in der nationalenVolkskunst der Siebenbürger Sachſen erhalten, namentlich in der Stickerei der Männerhemden im Nösnerlandund in der Faltenstickerei der Frauenhemden in der Umgebung von Hermannstadt, Schäßburg, Mühlbach,Mediasch und Reps. Auch die mit bunten Lederstreifen bestickten Bauerngürtel weisen noch vorherrschenddies alte Linienornament aus. Im Mittelalter kam dann die Tiersymbolik in das Ornament und gerneward der Trene bedentende Hund, der die aufopfernde Liebe versinnbildlichende Pelikan, der die Kraftdarstellende Falke, das Einhorn als Symbol Chriſti oder der Hirsch mit dem Kettenhalsband, der die nachGnade dürstende Seele verkörperte, kunstvoll auf das weiße Linnen gestickt. Auch von diesen Gestalten, diemeist in Wappenſtil ſich ſymmetrisch gegenüber stehend gestickt wurden, habensich mehrere durch Jahrhundertein der siebenbürgisch sächsischen Stickereiornamentik erhalten.

Mit dem XV. Jahrhundert drang das reiche Pflanzenornament, die Arabeske und Groteskein die Stickerei. Nun begann die Blütezeit der Nadelkunst und die farbige Behandlung der Leinenſtickereiward so allgemein, daß die gesamte Wäsche auf das reichste damit geschmückt wurde. Die alten Muster-tüchlein reichten da nicht mehr aus und findige Buchdrucker ließen nun Musterbücher erscheinen, von denenjene 1597 und 1604 in Nürnberg von Hans Sibmacher herausgegebenen Newen Modelbücher" diebekanntesten sind. Diese nahmen jedenfalls ihren Weg auch nach Siebenbürgen, denn es finden sich hiernoch zahlreiche Stickereien, deren Muster von Sibmacher ſtammen. In dem XVII. und XVIII. Jahrhundertsind die Kunstwandlungen Westeuropas in unserer Baufuuſt, in den Erzeugnissen unserer Goldschmiedekunſtund teilweise selbst in der Tracht zum Ausdruck gekommen, dagegen blieben unsere nationalen Stickereien hievonfast ganz verschont, so daß unsere Bäuerinnen auch noch im XIX. Jahrhundert an reinen Renaissancemustern ihre Kunstfertigkeit übten. Technik und Stilform blieben stets in innigem Zusammenhang und niemalsstrebte die Stickerin darnach, wie ja so häufig im XVII. und besonders im XVIII. Jahrhundert, die Gegenstände in den natürlichen Farben darzustellen oder ihnen gar Körperlichkeit zu verleihen, vielmehr ward beigesunder Stilisierung die Zeichnung mit willkürlich gewählten Farben, deren Harmonie oft von bestrickendemReize ist, ausgefüllt.