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Siebenbürg.-sächsische Leinenstickerei
Entstehung
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Vorwort.

Vor etwa 25 Jahren begann ich, siebenbürgisch- sächsische Leinenstickereien zu sammelnmit der Absicht, diese als Vorlagen zu veröffentlichen. Da ein derartiges Vorlagewerk nurdann von Wert ist, wenn die Muster auch von weniger geübter Hand abgestickt werdenkönnen, die Herstellung gerade eines solchen Werkes aber sehr große Kosten verursacht, mußte dieHerausgabe unterbleiben. Unterdessen wurden diese schönen Erzeugnisse unserer nationalenVolkskunst von reisenden Händlern immer mehr aufgekauft; immer mehr schmolz derreiche Leinenschatz der ſächſiſchen Bänerin, die denselben durch billige Fabriksbaumwollſtoffeersetzte, und der einstens so blühende Hausfleiß drohte in Vergessenheit zu geraten. Endlich,als am 24. März d. J. die löbl. Vodenkreditanstalt mir einen Betrag zur Herausgabeeiner Mustersammlung zusprach, als bald darauf die löbl. Oberverwaltung des siebenbürg.-sächsischen Landwirtschaftsvereins, der löbl. Ausschuß des Sebastian Hann- Vereins für heimischeKunstbestrebungen" und der löbl. Ausschuß des evang. Frauenvereins das gleiche taten, konnteich an die Zusammenstellung dieses Werkes schreiten.

Der Zweck dieses Muſterbuches iſt nicht, die Geschichte der Entwicklung siebenbürgiſchsächsischer Leinenstickereien zu illustrieren, noch die verschiedenen Techniken wiederzugeben,sondern bloß eine Auswahl der, der siebenbürgiſch- ſächſiſchen Volkskunst eigentümlichen Muster,die bisher noch in feinem Mu sterbuch veröffentlicht worden sind, derartig zum Ausdruck zubringen, daß unsere Arbeitsschulen sich ihrer als Vorlagen bedienen können. Wenn unsereLandleute wieder an dieser edeln Volkskunst Freude bekommen sollen, dann muß schon inden Schulen begonnen werden, die Kinder darin zu unterrichten, und die Arbeitslehrerinnensollen das fremdartige, sehr oft recht geschmacklose neue Stickornament aus ihren Schulenverbannen! Insbesondere greift das naturalistische Blumengewinde auf unseren Landgemeindenum sich, durchaus nicht zur Verschönerung unserer Volfstracht! Da muß ernstlich darangedacht werden, unsere Landleute wieder auf bessere Bahnen zu leiten, den ererbten, aberfast vergessenen Muſtern von unvergänglicher Schönheit wieder Geltung zu verschaffen. Hiezusoll diese Mustersammlung Gelegenheit bieten.

Es ist mir eine angenehme Pflicht, den oben erwähnten Förderern meines Unter-nehmens auch hier meinen Dauf auszusprechen, den ich mir gestatte, auf jene Damen undHerren auszudehnen, die mir in liebenswürdigster Weise wertvolle Originalarbeiten zurVerfügung gestellt haben.

Endlich möchte ich auch des Umstandes gedenken, daß dieses Musterwerk in einemheimischen Verlage erschienen ist, eine bei der schönen und genauen Ausführung gewißäußerst erfreuliche Tatsache.

Hermanustadt, im Dezember 1906.

Emil Sigerus.