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Volkswirtschaftliches aus Westgrönland..
Vor vielen Jahrhunderten sollen die Kajaks ungedeckt gewesen sein, jetztsind sie aber, im wesentlichen aus einem Holzgerüst bestehend, derart von allenSeiten mit Seehundsfell überkleidet, daß nur eine kleine Öffnung übrig bleibt,durch welche der Besizer in sein Boot hineinschlüpft. Die Umrandung derÖffnung schließt sich so genau an das wasserdichte seehundslederne Oberkleiddes Kajakmannes an, daß er selbst bei hohem Wellengang trocken bleibt. DieSeehundsjagd wird jetzt meist in der Art betrieben, daß der Seehund auseiner gewissen Entfernung angeschossen wird. Das Gewehr, welches hierbeibenutzt wird, ist aus Dänemark importiert und gehört meist einem ganz alten,billigen System an. Hat der Seehund seine Kugel im Leibe, so wird nahe anihn herangefahren und die Harpune nach ihm geschleudert; das muß natürlichalles so rasch geschehen, daß der Seehund nicht Zeit zum Sinken hat. Ist ereinmal harpuniert, so kann er nicht tief untergehen, weil die mit der Harpuneverbundene Fangblase aus Seehundsleder es verhindert. Einige wohlgezielteStiche mit der Lanze machen dem Tiere gewöhnlich den Garaus. Nun wirdder Seehund mittels des Harpunenriemens am Kajak befestigt und so nach Hausegeschleppt. Ein Seehundsfänger teilte mir durch meinen Dolmetsch mit, daß dieseJagd, wenigstens in Nordgrönland jetzt nur mit Flinte und Harpune betriebenwerde. Die Einführung der Feuerwaffe sei deshalb sehr vorteilhaft, meinte er,weil der Seehund auf viel größere Entfernung getroffen werden könne, alsohne sie, mit der Harpune. Bei hohem Wellengange jage man, behauptete meinGewährsmann, allerdings nur mit der Harpune, weil bei der Unruhe desSchiffes ein Zielen mit der Büchse nahezu unmöglich sei. Dafür könne manaber wegen des Geräusches der Wellen an den ahnungslosen Seehund so naheherankommen, daß er für die Harpune leicht erreichbar sei. Dem Anfänger beidiesem edlen Waidwerk, könne es, so heißt es, leicht geschehen, daß der harpunierte, heftig zuckende Seehund den Kajak zum Kentern bringe. In Süd-grönland, so wurde mir erzählt, soll die Flinte die Harpune bei der Seehunds-jagd verdrängt haben, was dadurch von Nachteil sein könnte, weil man so feinsicheres Mittel hat, das Sinken des Tieres zu verhindern. Ob der zutode getroffene Seehund auf dem Wasser schwimmt oder sinkt, hängt begreiflicherweisevon der Dicke seiner Fettschicht ab. Benutzt der Jäger also bloß eine Büchseohne Zuhilfenahme der Harpune, so entgeht ihm derjenige Prozentsatz derTiere, der vermöge seiner natürlichen Beschaffenheit untersinkt. Insoferne magdie Einführung der Feuerwaffe, falls durch sie die Harpune verdrängt würde,dem Lande Schaden gebracht haben. Damit der Jäger möglichst nahe an seineBeute herankommen könne, wird der Kajak an seinem vorderen Ende mit einemweißen, viereckigen Segel versehen, das den Ruderer nahezu ganz verdeckt undnur ein Loch besitzt, durch welches das Gewehr durchgesteckt wird. Die Eskimos Glossar ::: zum Glossareintrag Eskimosstellen sich vor, daß der Seehund auf diese Weise das ganze herannahendeGebilde, hinter dem sein Feind lauert, für einen Eisberg hält und darumweniger auf seiner Hut ist. Vor Schiffen fürchtet sich dieses Wassertier so sehr,daß es an Stellen, wo Dampfer verkehren, schon sehr spärlich auftreten soll.So wichtig ist dem Grönländer der Seehundsfang, daß mancher irgendwo aneiner unwirtlichen Stelle der Küste als Einsiedler lebt, nur weil sich dort eingutes Jagdgebiet befindet. Ein tüchtiger Jäger bringt durchschnittlich, so wurdemir erzählt, in einem mittelguten Reviere einen Seehund pro Tag, in einem gutenvier Seehunde pro Tag nach Hause. In der grönländischen Sprache spiegelt sich