Volkswirtschaftliches aus Westgrönland.
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Kronen bezahlt und in Kopenhagen um etwa 300 bis 400 dänischen Kronenvon den Händlern dem Publikum feilgeboten.( 1 dänische Krone entspricht1 Mark 12,5 Pf. oder 1 K 32 h ö. W.) Der Nutzen, den der Staat dabeierzielt, mag immerhin ein ganz beträchtlicher sein; trotzdem soll Grönland inden letzten Jahren wegen der immer schlechter werdenden Jagdverhältnisse imStaatshaushalte bloß Passiva ausweisen.
Sonstige Einnahmsquellen für den Staat liefern noch die MineralienGrönlands. Kohlen gibt es ja allenthalben im Land. Teils liegen sie wie inder Meerenge Waigatt an Felsen frei zutage, teils, wie im Bergwerke Kaersorsuakbei der Kolonie Umanak, tief in der Erde. Graphit findet sich im Süden undviele in Kopenhagen verwendete Bleistifte sollen ihre Spizen aus Grönlandbeziehen. Kupfer kommt in der Nähe der Kolonie Jvigtut vor, das Gestein solldort sogar 70% reines Kupfer enthalten. Der Kryolith, ebenfalls nahe derSüdspiße Grönlands auftretend, ein ungemein seltenes Mineral, welches zurAluminiumerzeugung und Porzellanfabrikation verwendet wird, befindet sich inprivaten Händen.
Der Mineralreichtum des Landes könnte sich wohl zu einer bedeutendgrößeren Einnahmsquelle des Staates gestalten, wenn die Grönländer nichtvon Haus aus des Bergbaues vollständig unkundig wären und sich leichterdazu abrichten ließen. Schwärmer wollen jetzt schon wissen, daß bei fortschrei-tender Zivilisation und Besserung der Verkehrsverhältnisse Grönland dereinstinfolge seines Mineralreichtums, der ja jetzt zum großen Teile noch unbenutztist, ein wohlhabendes Land werden wird.
Die Hauptindustrie des Landes ist die Tranfabrikation. Der den ganzenKörper des Seehundes bedeckende Speck wird hierzu verwendet. Er wird ingroßen Gefäßen erhitzt und dann im geschmolzenen Zustande in großen vier-eckigen Trögen gesammelt, wo er durch längeres Liegen sich von selbst reinigt,indem sich ein Bensatz bildet. Dieser Tran ist also bloß verflüssigtes See-hundsfett. Zur Erzeugung feinerer Sorten von Tran wird die Haifischleberverwendet, die in vielen Exemplaren in einen Bottich gebracht und durch eine Hand-presse längere Zeit komprimiert wird, bis ihr ganzer Fettgehalt entleert ist.Die Haifische werden mittels eigens konstruierter Angeln gefangen. Oft wirddem erbeuteten Tiere nur die Leber herausgeschnitten und es selbst in dasMeer versenkt, da das Fleisch des Fisches nur im äußersten Notfall den Hundenund noch viel seltener den Menschen als Nahrung dient. Aus den früher er-wähnten viereckigen Trögen gelangt der Tran durch versperrbare Abflußrohre indie Fässer, in denen er nach Europa gebracht wird. In der Tranfabrik, dienahezu in jeder größeren Kolonie vorhanden ist, wird mit Schichtwechsel Tagund Nacht gearbeitet. Der Arbeitslohn beträgt durchschnittlich eine dänischeKrone pro Tag. Der Besuch eines solchen Etablissements ist kein besonderesVergnügen, da die zum Betrieb notwendigen Kohlenmassen beinahe jedes Win-felchen ausfüllen und der eigentümliche Trangeruch für unsere Nase auch keinenHochgenuß bedeutet. Wie mir einst ein dänischer Beamter versicherte, schmecktder Tran ebenso wie er riecht. Er wird in Europa zur Seifenfabrikation ver-
wendet.
Die Seehundsjagd dient also der Tranfabrikation. Sie ist die Haupt-beschäftigung der Grönländer. Sie wird im Sommer in den Kajaks, den seelen-tränferartigenBIBLIO en Der Eingeborenen betrieben.
OSTERR
KSKUNDE