1682
R. Trebitsch,
trotz seiner mangelhaften Kenntnisse der dänischen Sprache,
als Dolmetsch und Schreiber für die weiteren Platten.
Durch Zufall hatte ich durch Herrn VolontärassistentenPetersen erfahren, daß hier ein grönländischer Dichter namensNicolai Broberg weile. Er ist auf Fig. 1, Taf. I, dargestelltSein Oberkleid hat wohl grönländischen Schnitt, ist aber auseuropäischem Zeug hergestellt, seine Hosen sind ganz euro-päisch. Als wir seiner ansichtig wurden, arbeitete er eben imLastraume des Dampfers» Haus Egede« und war über undüber mit Kohlenstaub bedeckt. Mein Ansinnen bezüglich desPhonographen erwiderte er wie viele seiner Landsleute mitHohngelächter, aber konnte doch schließlich für unsere Zweckegewonnen werden. Seine Gedichte, zu denen er meist aucheine Melodie komponiert, sind, obwohl nicht gedruckt, in ganzWestgrönland bekannt. Infolge seiner Mitwirkung bei eineramerikanischen Grönlandexpedition als Matrose kann er etwasEnglisch. Von seiner Kunst kann der Dichter natürlich nichtleben und ist daher Taglöhner. Es war nicht mit Sicherheit zueruieren, ob er der Mischrasse oder der reinen Rasse derEskimos Glossar ::: zum Glossareintrag Eskimos angehört, vermutlich aber das letztere, wegen seinerdeutlich braunen Gesichtsfarbe. Er kann nur recht mangelhaftschreiben. Platte 551 bis 554 enthalten eigene SchöpfungenBroberg's, die teilweise eine dänische Melodie haben. 1
Die phonographischen Aufnahmen in Upernivik, dernördlichsten dänischen Kolonie in Westgrönland, erfolgten imHause des Assistenten des Kolonieverwalters, in welchemuns ein guter Tisch zur Verfügung stand. Hier fungierte HerrK. H. Jensen, ein in Pröven lebender Däne, Faßbinder undZimmermann von Beruf, als Dolmetsch, während sein hieransässiger Schwiegervater, der Grönländer Pastor Mörk, unsbei der Anwerbung der Leute behilflich war. Platte 555 undPlatte 556 rühren vom Sohne des Pastors Mörk, dem SchmiedJohann Mörk( siehe sein Bild: Fig. 3 auf Taf. II), her. Erschrieb seine Texte selbst nieder. Als er in den Phonographen
i Wir mußten alle eine dänische Melodie besitzenden Lieder mit dieserannehmen, weil die Phonographierten niemals im stande waren, die Texte ohneMusik zu sprechen.